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Parabel zwischen Pathos und Banalität

Uraufführung Parabel zwischen Pathos und Banalität

Benedikt Bernhard Haubrich, Jahrgang 1979, hat als Regisseur an der Schaubühne in Berlin und am Theater Dortmund gearbeitet. Sein Stück „Kaltes Land Heißes Land Heiliges Land“ hatte jetzt im Theater im Fridericianum (tif) in Kassel seine Uraufführung. Kein besonders gelungener Erstling von Haubrich.

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Unter Druck: Moritz (Frank Richartz, links) und sein Geliebter Bertel (Björn Bonn).

Quelle: Ketz

Die Konstellation ist überschaubar, weil sie aus Heimatfilmen oder -stücken bekannt ist, wenn auch nicht in dieser Dramatik. Moritz Kind war von zu Hause abgehauen, jetzt taucht er unerwartet wieder auf. Die Mutter ist außer sich vor Freude, steht im Programmheft zu lesen, doch Regisseur Patrick Schlösser fand eine andere Variante wohl schlüssiger. Bei ihm ist Mutter Johanna (gezeichnet vom Leben: Christina Weiser) nicht nur zwiespältig sondern geradezu abweisend. Kein Wunder: Moritz zählt nicht unbedingt zu den verlässlichen Kandidaten. 

Autor Benedikt Bernhard Haubrich hat eine ganz düstere Parabel vom Suchen nach Heimat und dem eigenen Platz im Leben geschrieben. Moritz hat bei seinem unerwarteten Abgang nicht nur eine verhärmte Mutter, sondern auch eine Geliebte und einen Geliebten hinterlassen. Auf die Dorfbewohner soll er mächtig Eindruck gemacht haben als Ausnahmemensch, der eine magische Anziehung verbreitet, meint zumindest das Programmheft. Auf der Bühne liegt zwischen dem Jungen und den Alten eine deutliche Distanz. Die Eltern- und Großelterngeneration hat zuviel erlebt, um den Pubertierenden als Hoffnungsträger zu sehen. Ganz abgesehen davon, dass Frank Richartz als Moritz die Anlagen zum Schillern abgehen.

Etwas mühselig schleppt sich der Abend dahin, was vor allem an der düster-einfältigen Vorlage liegt, die zwischen Pathos und Banalität pendelt. Und dass Moritz als Vergewaltiger und Mörder heimkehrt, macht die Lage auch nicht besser. Hier hat der Autor schlicht überdreht. Ein veritabler Mutter-Sohn-Konflikt kommt auf der Bühne wie im Leben ohne einen zwischenmenschliche Gau aus. 

Hochkarätig besetzt

Redlich mühen sich die Schauspieler der hochkarätig besetzten Inszenierung (Uwe Rohbeck, Uwe Steinbruch, Jürgen Wink in Nebenrollen) durch den Text und schaffen Atmosphäre. Vor allem Birte Leest und Björn Bonn als Geliebte von Moritz liefern ganze Arbeit in einem Bühnenbild, dass ein besseres Stück verdient hätte. Ben Baur hat viele Schauplätze angelegt und dennoch eine homogene Spielstätte zwischen Dachboden und Dorfschenke entworfen. 

Weitere Vorstellungen: 13. und 21. Mai sowie 6. und 21. Juni um 20.15 Uhr. Kartentelefon: 0561/ 1094222.

Von Peter Krüger-Lenz

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