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„Perspektive Indien“ im Deutschen Theater

Göttinger Symphonie-Orchester „Perspektive Indien“ im Deutschen Theater

Der Fußball ist nicht unumschränkter Herrscher. Am Sonntag war beim Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) unter dem Motto „Perspektive Indien“ das Deutsche Theater gut besucht, auch wenn am selben Abend das Spiel Deutschland-Ukraine anstand. Aber auch Musik kann spannend sein.

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An der Sitar: Sebastian Dreyer. Tanz: Ioanna Srinivasan. Gesang, Percussion, Tabla: Ravi Srinivasan.

Quelle: PH

Göttingen. Das letzte Konzert im Zyklus „Kulturelle Begegnung“ fand sogar ministerielle Beachtung. Claudia Schanz, im niedersächsischen Kultusministerium unter anderem zuständig für politische Bildung, Medienbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung, nannte in ihrem Grußwort diese Konzertreihe eine „beispielhafte Initiative“ im Sinne einer „echt verstandenen Weltmusik“.

GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller hatte ein Programm aus „exotisch“ beeinflusster westlicher Musik mit originalen indischen Beiträgen kombiniert. Diese Zusammenstellung machte eindringlich deutlich, wie wenig die Indien-Fantasie europäischer Komponisten mit der Wirklichkeit zu tun hat. Was wiederum den Reiz der fein instrumentierten Vasantasena-Suite des Schweden Johan Halvorsen (1864-1935) nicht mindert, ebenso wenig den mitreißenden Schwung der kleinen Schnellpolka „Die Bajadere“ von Johann Strauß. Diese Tänzerin lässt aber ihre Füße eher von der Donau als vom Ganges kühlen.

Klassische indische Kultur präsentierten dazwischen die Kathak-Tänzerin Ioanna Srinivasan, der Sitar-Spieler Sebastian Dreyer und der Tabla-Spieler Ravi Srinivasan. Die sehr engagierten GSO-Musiker steuerten zeitgenössische Stücke indischer Komponisten bei: ernst und streng im „Hexad“ von Naresh Sohal, verspielt und populär in „Aquila“ und „Rush hour“ (mit virtuoser Pfeifeinlage) von Ravi Srinivasan und dicht am Pop angesiedelt in Allah Rakha Rahmans Filmmusik-Suite „Slumdog Millionaire“.

Ioanna Srinivasan führte eindrucksvoll Kathaktänze vor, bei denen die Füße zusammen mit den um die Knöchelregion umgebundenen Glöckchen wie ein Schlagzeug eingesetzt sind, und verblüffte mit raschen, pirouettenartigen Drehungen. Dreyer zeigte in aller Kürze an der Sitar, was ein Raga ist – eine Improvisation über ein melodisches Modell, die üblicherweise eine gute Stunde dauert, hier auf zehn Minuten eingekürzt.

Viel mehr als ein Schnupperkurs indischer Musik konnte und wollte dieser Abend nicht sein. Aber Appetit auf mehr hat er geweckt – auf die ungeheuer kunstvolle, virtuose, faszinierende klassische indische Musik.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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