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Peter Licht zu Gast im Literarischen Zentrum Göttingen

Es werde Licht Peter Licht zu Gast im Literarischen Zentrum Göttingen

Peter Licht, seit 2001 ebenso bekannter wie einst öffentlichkeitsscheuer Popmusiker, hat beim Sommerfest des Literarischen Zentrums gelesen. Detailverliebte Beschreibungen hörte das Publikum aus dem neuen Doppelalbum von Licht: „Lob der Realität“.

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Zeigt sich nach Jahren, in denen Fotos von ihm nicht zu bekommen waren: Peter Licht.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Weil man heute weder mit Musik noch mit Literatur Geld verdienen kann, bringt Peter Licht jetzt eben ein Doppelalbum heraus.

„Lob der Realität“ heißt es und erscheint sowohl als Musikalbum als auch als Gedichtband, dabei ist Peter Licht eigentlich Popmusiker: So sind es doch eher gedruckte Songtexte.

Um dieses literarische Musikalbum oder diese liederhafte Gedichtsammlung vorzustellen, ist Peter Licht ins Literarische Zentrum gekommen. Eine Freude für alle, die noch eine Karte bekommen haben, auch dass Peter Licht nicht mehr so lichtscheu ist, wie noch vor einigen Jahren, als man von ihm nur Fotos zu sehen bekam, wo wie zufällig eine Zeitung durch die Luft wehte und sein Gesicht verdeckte oder ein Vogel oder eine Teetasse oder dicker Zigarettenqualm oder oder.

Die öffentliche Figur Peter Licht und die private Person Peter Licht seien nicht deckungsgleich, erklärt auch sofort Ole Petras, der Moderator des Abends, bei seiner Vorstellung des Künstlers und navigiert sich dann elegant durch einen Lebenslauf voller Leerstellen, denn im Grunde weiß man nichts über diesen Peter.

Festhalten lässt sich jedenfalls, dass der Mann Hornbrille trägt und einen Ehering, auch ein künstlerisch-zurückhaltender Pullover in schwarz darf nicht fehlen. Und ja, man sieht sogar, dass sein großer Hit „Sonnendeck“, der ihn 2001 zur Lichtgestalt des neuen deutschen Pop machte, 14 Jahre alt ist: das Haar wird auch langsam lichter und im Nacken und an den Schläfen grau.

Als Licht beginnt, aus seinen Texten zu lesen, ist er zunächst etwas verhalten. Leicht wiegt er seinen Oberkörper hin und her, die Hände schweben ganz sanft über Tisch und Buchseiten. Er spricht davon, dass er „querte“, dass Dinge „gegrüßet“ seien und davon, wer sich alles „zinst“.

Alles wird von ihm benannt und dekliniert, seine Texte sind riesige Wortsammlungen, detailverliebte Beschreibungen. Nach einer Weile verliert er seine Scheu und holt weiter mit den Armen aus, seine Hände formen mit Zeige- und Mittelfinger Pistolen und abwechselnd schießt er mit rechts und mit links aus der Hüfte, während er in seinen Lobliedern die Realität preist und ganz ein literarischer Prediger ist.

„Man muss den maximalen Größenwahn ausnutzen“, sagt er später. Das tut er. Die Inhalte grenzen manchmal ans Absurde, erzählen von stinkenden Jeans und einem Hosengott, von einem vagabundierenden Edward Snowden, der sich im Wald von Nüssen ernährt und von gefährlichen Kisten, die verkauft werden wollen.

Manchmal ist er etwas repetitiv, sein Stil hat sich nicht groß geändert im Laufe der Jahre,. Aber das soll so sein, sagt Licht, immerhin ist er Popmusiker und Popmusik sei schließlich ein immer wieder kehrendes Zitat.

Von Serafia Johansson

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