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Petri-Chor, Solisten und Göttinger Barockorchester mit Händelaufführung

„Solomon“ Petri-Chor, Solisten und Göttinger Barockorchester mit Händelaufführung

Ein abendfüllendes Stück, in dem überhaupt nichts geschieht – kann das funktionieren? In Händels Oratorium „Solomon“ gibt es nur eine einzige Szene, in der zwei Frauen um ein Kind streiten. Ansonsten wechseln sich Lobpreis der Weisheit, der Gattenliebe, der Musik und natürlich auch der Lobpreis Gottes mehr oder minder regelmäßig ab.

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Dicht gedrängt: Sänger und Orchester unter der Leitung von Antonius Adamske in der St. Petrikirche in Weende.

Quelle: Theodor da Silva

Göttingen. Dennoch gab es keine Langeweile bei der Aufführung dieses Oratoriums mit dem Petri-Chor, vier handverlesenen Solisten und dem Göttinger Barockorchester unter der Leitung von Antonius Adamske am Sonnabend in St. Petri in Weende.

Dabei war ausgerechnet der Streit der beiden Frauen dem kürzenden Rotstift zum Opfer gefallen. Doch es war ein spannender, festlicher Abend. Daran ist vor allem Händel schuld, der mit wunderbaren musikalischen Kontrasten arbeitet, wirkungsvolle Steigerungen auch ohne dramatischen Anlass gestalten kann.

Aber ein Gutteil des Erfolges ist den Ausführenden zuzuschreiben: Adamske hatte sein Ensemble nicht nur gut zusammengestellt, sondern auch gründlich vorbereitet.

Sichtbarer Enthusiasmus

Da sei an erster Stelle der Petri-Chor erwähnt, der von Händel auch mit etlichen achtstimmigen Sätzen bedacht ist. Er meisterte seine anspruchsvollen Aufgaben mit großer Präzision und sichtbarem Enthusiasmus, immer wieder angefeuert durch die klare Zeichengebung des Dirigenten.

Adamske verstand es zudem, mit freundlich fordernden Blicken seinen Choristen die Begeisterung einzuimpfen, die für die Lebendigkeit der Musik von größter Bedeutung ist. Dass der Stimmklang nicht ganz gleichmäßig war – beispielsweise halbiert sich bei achtstimmigen Sätzen die ohnehin nicht sonderlich große Zahl der Tenoristen – , tritt dabei in den Hintergrund.

Besonders hervorgehoben seien die vier Chöre, in denen Händel vier verschiedene Affekte nacheinander abhandelt, vom lieblich sanften Sang der Musik über wilden Kriegesmut und Tränen verschmähter Liebe bis zum Frieden nach wilder Meeresflut. Das waren wunderschöne Tongemälde, in denen einem das Herz aufgehen konnte.

Im durchweg jung besetzten Solistenquartett war der Mezzosopranistin Johanna Krödel die Titelpartie anvertraut. Sie sang sehr stilsicher, ausdrucksstark, hatte nur hier und da leichte Rauigkeiten im Stimmklang. Der helle, wunderbar bewegliche Sopran von Johanna Neß passte ideal zu ihrer Partie der Königin von Saba.

Strahlender Stimmklang

Dass barocke Koloraturen ihre Spezialität sind, wissen Göttinger Konzertgänger schon seit Längerem – dass aber ihre Stimme inzwischen auch bis zu den tiefen Lagen hin ganz bruchlos durchgebildet ist, lernte man an diesem Abend besonders schätzen.

Eine Überraschung war der erst 23-jährige Tenor Georg Drake, der mit seinem strahlenden Stimmklang und der lockeren Beweglichkeit in seiner Melodieführung nachdrücklich auf sich aufmerksam machte. Ein eindrucksvolles Stimmvolumen besitzt der Bassist Mathias Tönges, das nur nicht immer rasch genug anspricht. Doch das dürfte sich im weiteren Verlauf seiner Ausbildung verbessern. Dass er auf gutem Wege ist, machte dieser Abend deutlich.

Sehr stilsicher, virtuos und ausdrucksstark legte das Göttinger Barockorchester die instrumentale Basis und setzte mit strahlenden Blechbläserklängen und sanften Flötentönen besondere Akzente. Begeisterter Beifall nach gut drei musikalisch spannenden Stunden.

Von Michael Schäfer

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