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Phonstark, unterhaltsam und knallbunt

Pop meets Classic Phonstark, unterhaltsam und knallbunt

Die sechste Auflage von „Pop meets Classic“ (PMC) hat bei ihrer Premiere am Freitag rund 3000 Besucher in der Göttinger Lokhalle verzeichnet. Am Sonnabend werden noch einmal ebenso viele Gäste erwartet. Geboten wird eine dreistündige bunte Show mit vielen musikalischen Glanzlichtern, unter anderem mit dem PMC-Debüt von „Jian and friends“.

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Vereinte musikalische Kräfte: Solisten beim bunten „Pop meets Classic“-Finale.

Quelle: Peter Heller

So breit sind Bühnen selten. In der Mitte ist das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) postiert, schräg links dahinter ein Podest für die beiden vereinten Chöre, den Göttinger Knabenchor und den Konzertchor des Otto-Hahn-Gymnasiums. Rechts neben den Kontrabässen des Orchesters steht ein weiteres Podest, auf dem die neunköpfige Allstars-Band Platz findet. Zwischen Band und Orchester der Laufsteg, den der Moderator und die Solokünstler zum Auftritt passieren, ziemlich genau in der Mitte das Podest für Christoph-Mathias Mueller, den Dirigenten des GSO. Zusammen sind es rund 170 Mitwirkende.

Der Beginn aber ist eher leise: „Ein Hallo für alle“ singen, zart und a cappella, die drei von „Ganz Schön Feist“, Mathias Zeh, Rainer Schacht und Christoph Jess. Dann hebt das GSO unter Christoph-Mathias Mueller mit dem markigen Anfangsmotiv von Richard Strauß’ „Also sprach Zarathustra“ an und leitet mit einer eleganten Wendung in slawische Tänze von Dvoˇrák über.

Leichtfüßig hüpfend

Der klassischen Ouvertüre folgt ein knallbuntes Programm. Abwechslung ist Trumpf: Hier rockig, dort poppig, dann wieder klassisch. Handgemachtes und elektronisch Verstärktes prallt aufeinander. Hier röhrt Sascha Münnich Steve Wonders „I wish“, wirbelt das Mikro und hüpft leichtfüßig über die Bühne, dort spielt in sich versunken Gitarrist Sebastian Albert den verträumten Solopart im langsamen Satz von Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ zusammen mit dem GSO, das auch zu zahlreichen Pop-Nummern den verlässlichen symphonischen Untergrund liefert. Dazu sind an der Bühnenhinterwand Passagen aus Lotte Reinigers märchenhaftem Scherenschnitt-Film „Prinz Achmed“ zu sehen. Händels „Halleluja“, gesungen von den vereinten Chören (die Michael Krause sorgfältig einstudiert hat), ist ein barockes Juwel.

Etwas älter als die Knabenchor-Knaben sind die vier vom smart-sympathischen Moderator Christoph Huber als „Straßenband“ titulierten Jungs von „Jian and friends“. Tatsächlich ist Leadsänger Marian Müller eben diesem Knabenchor entwachsen, studiert inzwischen in Hannover und erweist sich mit seiner locker-souveränen Stimme als Entdeckung des Abends. 

Dieses Attribut hat sich Anna-Maria Schmidt aus Bilshausen schon vor Monaten verdient: als Siegerin in der ZDF-Castingshow „Musical Showstar 2008“. Sie zeigt unter anderem mit dem „Circle of Life“ aus dem „König der Löwen“ ihre beeindruckenden stimmlichen Qualitäten, auch wenn sie sich in der Generalprobe schier die Seele aus dem Hals singen muss, um sich gegen das dröhnende Tutti durchzusetzen.

Bademantel-Finale

Julia Hansen vom Deutschen Theater steuert den anrührenden „Evita“-Song „Don’t cry for me Argentina“ bei, Sascha Münnich zeigt abermals viel Lässigkeit in „Fever“. Und zwischendurch lässt Michael Zalejski am weißen Schimmel-Flügel vergessen, dass er ja gar nicht Udo Jürgens heißt: eine perfekte Kopie bis hin zum weißen Bademantel im Finale. Die „Feisten“ verraten mit „Jean Jacques“ und dem „Logopäden-Tango“ (der mit dem „Kriminal-Tango“ von 1959 verwandt ist) schon etwas von ihren Herbst-Neuheiten. Zwischendurch macht Clown Filou seine Späße. Und immer wieder heizen die fünf „Seven Up“-Sänger mit einer guten Portion Temperament die Stimmung im Saal an. Am Ende: Standing Ovations, Zugaben – und gut 3000 begeisterte Besucher, die gut drei Stunden lang blendende Unterhaltung genossen haben.

Erst wieder 2011

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert: Die Vorbereitungen für das diesjährige „Pop meets Classic“ (PMC) starteten bereits im Jahr 2008. Daran beteiligt waren ein Team von fünf Mitarbeitern der Lokhalle, darunter Projektleiter Kai Ahlborn,  und Christoph Jess („Ganz Schön Feist“), dem künstlerischen Leiter des Events seit Anbeginn. Eine Woche hat der Aufbau gedauert – inclusive Proben der Allstars Band und der Einzelkünstler sowie Soundcheck. Für die musikalischen Vorbereitungen  wurden die Garderoben der Lokhalle zu Probenräumen umfunktioniert. Völlig neu gestaltet wurde das Bühnenbild.  

Im kommenden Jahr wird „Pop meets Classic“ eine schöpferische Pause einlegen. Die siebente Auflage ist für 2011 geplant. Dafür beginnt die Vorbereitungsphase im Mai 2010, wie Projektleiter Ahlborn am Freitag mitteilte.

Von Michael Schäfer

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