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Lichtenbergsche Pointen auf Litfaßsäulen

Plakat-Aktion Lichtenbergsche Pointen auf Litfaßsäulen

Plakate mit Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg hängen seit kurzem an den Litfaßsäulen von Stadt und Region. Die Aktion ist Teil der Ausstellungen zum Lichtenbergjahr.

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Plakate mit Lichtenberg-Aphorismen an einer Litfaßsäule am Albaniplatz.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Der Göttinger Gelehrte und Experimentalphysiker Lichtenberg, dessen Geburtstag sich am 1. Juli zum 275. Mal jährt, war und ist vor allem für seine Aphorismen bekannt. Scharfsinnige Zitate, Beobachtungen und Ideen hat er in großer Zahl in pointierte Form gebracht. Die Stadt Göttingen hat ihrem berühmten Mitbürger im Alten Rathaus die Ausstellung Lichtenberg reloaded gewidmet.

Der Fachdienst Kultur und Kurator WP Fahrenberg haben hier Werke von 42 Künstler versammelt, in denen sie sich mit Lichtenberg befassen. Für viele waren dabei die Aphorismen Ausgangspunkt. Arndt Möller begeisterte zum Beispiel der Aphorismus, „Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, wenn man es mit einem ernsten Gesicht tut“. Und so machte er daraus ein ehrwürdig dreinblickendes Gesicht, dem die Zahnbürste aus den Ohren heraus lugt.

„Er entfacht, er wirkt.“

Lichtenbergs Aphorismen, so wünschen es sich die Ausstellungmacher sollen unter die Leute kommen. Denn, so Kurator WP Fahrenberg: „Er fasst an, er entfacht, er wirkt.“ Und deswegen sollten einige Motive der Ausstellung auch im Stadtbild zu sehen sein. Über die Aphorismen solle ein schnellerer, leichterer und vergnüglicher Einstieg in Lichtenbergs Gedankenkosmos gegeben werden, so Hilmar Beck, Leiter des Fachdienstes Kultur. Und so tragen nun viele Litfaßsäulen der Region Lichtenbergs Aphorismen.

Schlicht geht es zu auf den Plakaten. Nichts lenkt ab vom Text. Hinterlegt in abgeschwächter Form ist das Porträt Lichtenbergs, das Horst Janssen 1987 erstellt hat. Darüber sind jeweils vier Aphorismen von Lichtenberg angeordnet. Es gibt vier verschiedene Ausgaben. „Wenn Heiraten Frieden stiften können, so sollte man den Großen Vielweiberei erlauben“ steht dort. Auf einem anderem: „Der Amerikaner, der den Columbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.“ Ziemlich bekannt dürfte sein: „„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird. Aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“

Lichtenberg gilt als Begründer des Aphorismus. Er habe „eine ganze Milchstraße von Einfällen“, sagte er einst. Über viele Jahre hat er, ab 1764 in Schreibheften, von ihm selbstironisch „Sudelbücher“ genannt, in aphoristischer Form unzählige Gedankensplitter (spontane Einfälle, Lesefrüchte, Reflexionen zu fast allen Wissensgebieten und naturwissenschaftliche Feststellungen) notiert. Veröffentlicht wurden diese Sammlungen erst nach Lichtenbergs Tod. Seinen Zeitgenossen war er neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit vor allem für seine satirischen Schriften bekannt.

Wer die Plakate sucht, kann sie beispielsweise finden an den Litfaßsäulen Bahnhofsallee / Lokhalle, Albanikirchhof, Bühlstraße/Ecke Goldgraben oder in der Hauptstraße/ Ecke Kehrstraße. In der Ausstellung im Alten Rathaus werden die Lichtenberg-Plakate auch verkauft (einzeln für je drei Euro, alle vier zusammen für 10 Euro).

Tete Böttger über das Lichtenberg-Denkmal

„Wie ein Lichtenberg-Denkmal auf den Göttinger Markt kommt“, enthüllt am Sonntag, 25. Juni, ab 11 Uhr, Tete Böttger, der Denkmal-Initiator, in der Ausstellung „Lichtenberg reloaded“ im Alten Rathaus. Böttger erzählt die abenteuerliche Geschichte der Entstehung der – anlässlich einer Horst Janssen-Ausstellung in Tirana – vom albanischen Bildhauer Fuat Dushku (1930-2002) aus recyceltem Enver Hoxha- und Josef Stalin-Politschrott gegossenen Lichtenberg-Statue auf dem Göttinger Markt. Dort steht sie seit Georg Christoph Lichtenbergs 250. Geburtstag im Jahr 1992, zunächst als Dauerleihgabe, seit 2015 als Schenkung an die Stadt Göttingen. Günter Grass verewigte Lichtenbergs Statue und seinen Initiator in „Grimms Wörter - eine Liebeserklärung“ mit einigen Seiten. Die Ausstellung „Lichtenberg reloaded – eine Hommage an Georg Christoph Lichtenberg zum 275. Geburtstag (1742 – 1799)“ ist noch bis zum 13. August im Alten Rathaus dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr zu sehen.

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