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"Poems for Laila" im Nörgelbuff

Göttingen "Poems for Laila" im Nörgelbuff

Lieder über Heimat, Liebe und Gott, der an einer Fensterbank sitzt und nach Amerika will: Nikolai Tomás und Joanna Gemma Auguri lieferten als Duo „Poems for Laila“ am Donnerstagabend im Nörgelbuff eine gelungene Mischung aus Singer-Songwriter- und Folk-Musik mit Witz, Charme und Poesie.

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Starkes Duo: Nikolai Tomás und Joanna Gemma Auguri.              

Quelle: Foto Union

Göttingen. Es sei das erste Mal, dass Auguri in Göttingen spiele. Obwohl oder gerade weil sie in Göttingen aufwuchs: „Da bin ich natürlich besonders aufgeregt“, sagt die Sängerin. Und tatsächlich läuft an diesem Abend nicht alles nach Plan. Die Elektronik will nicht so recht, die Percussions lassen sich wegen eines Balkens an der Wand allenfalls in gekrümmter Haltung schlagen, der Looper ist mal zu laut, mal zu leise.

Aber: „Das ist halt Live“, sagt Tomás lapidar und macht aus seiner E-Gitarre kurzerhand eine Akustik-Gitarre. Man merkt ihm an, dass er auf eine 27-jährige Konzerterfahrung mit seinem Projekt „Poems for Laila“ zurückblickt. „Das Gute ist, ihr merkt gar nicht, was alles schief geht.“ Das Duo, das erst vor einem halben Jahr zusammenfand, überspielt an diesem Abend buchstäblich alle Stolpersteine mit Können, Humor und Entertainment vom Feinsten.

Die Songs sind Stilmischungen aus Pop, Folk, Chanson und Rock, haben teils Osteuropa-Flair oder nehmen Anleihen bei Polka und Country-Musik. Mit Looper, Glocken, Xylophon und Percussions würzen die beiden die sonst Gitarren- und Akkordeon-betonten Lieder. Tomás’ maskuline, leidenschaftliche und kräftige Stimme und Auguris sanfte und trotzdem durchdringende Kopfstimme brillieren besonders in Kombination, in der Zweistimmigkeit, wie in „The Water“. Aber auch in Solo-Varianten wirken die Songs. „The Wood Man Song“ ist, so Auguri, „das erste positive Liebeslied, dass ich je geschrieben habe. Nahm dann aber trotzdem kein gutes Ende. Da muss ich erst mal ’nen Schluck nehmen“, sagt sie und nippt an ihrem Mineralwasser.

Gefühle transportiert auch Tomás mit seinem Liebeslied, das er spontan den Menschen im noblen Hamburger Stadtteil Blankenese widmet, die keine Flüchtlingsunterkunft in ihrem Park haben wollten. „I need you on my side Girl/ We shoot these fuckers down“ singt er und erzeugt ein “Wir gegen den Rest der Welt“-Gefühl. Nach 90 Minuten geht ein musikalisch und atmosphärisch hochklassiger Abend mit viel Jubel und Applaus zu Ende.  

Von Katharina Kilburger

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