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Poetischer Ingenieur

Kantorei-Jubiläum mit Kabarett Poetischer Ingenieur

Glaube, Liebe, Hoffnung – die Themen sind dieselben, nur werden sie an diesem Abend nicht vom Chor der Kirchengemeinde St. Jacobi interpretiert, sondern von einem Kabarettisten. Georg Eggers hat zum 125-jährigen Bestehen der Kantorei Gedichte, Schlager und Arztromane vorgetragen.

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Naturwissenschaftlicher Kautz: Georg Eggers ist Grög. 

Quelle: PH

Göttingen. Brille, kariertes Hemd und orangefarbene Krawatte, dazu ein gutmütiger, etwas naiver Gesichtsausdruck – Eggers, muss den naturwissenschaftlichen Kauz nicht mimen, nur unterstreichen. Sein Tonfall ein wenig hektisch, seine Blicke irren unsicher durch den Raum. Und dieser Mann traut sich zu, den Abend als Alleinunterhalter zu bestreiten? Ja und zu Recht.  Von Hauptberuf Ingenieur, vermischt Grög, wie sich Eggers auf der Bühne nennt, technische Beobachtungsgabe, Experimentierfreude, naturwissenschaftliche Themen und Dichtkunst zu einem satirischen Unterhaltungsprogramm.

Besonders widmet er sich Tiergedichten. „Früher durfte man sein Publikum beschimpfen. Heute geht das nicht mehr“, stellt er fest. Durch und über Tiere könne man jedoch fast alles sagen. Sein Rat an Jan Böhmermann: „So bald man Menschen und Tiere in einem Gedicht vermischt, geht es schief.“ Humoristisch kommentiert der Kabarettist mit Göttinger Wurzeln missglückte sexuelle Annäherungen eines „Amöbiers“ und einer „Amöbierin“, unter dem Okular eines geilen Forschers. Auch der „Eintagsfliegin“ bleibt die Paarung verwehrt, da der „Eintagsfliegerich“ es mit der Midlife-Crisis übertreibt.

„Viele Frauen glauben, dass sich der Ingenieursberuf und eine Sexualleben gegenseitig ausschließen“, erklärt Eggers. Mit Schlagermusik möchte er deshalb Frauen beziehungswilliger gegenüber diesen verkannten Männern stimmen. „Beim Ingenieur gibt es genau berechenbares Glück. Und willst du dann den besonderen Kick, dann such dir einen Doktor der Physik“, singt er. Gesanglich muss Eggers sich nicht verstecken. Wie viele der Gäste hat auch er Chorerfahrung.  

Unterstützt von kleinen Einzeller-Stofftierchen und elektrischem Schlagstock, mit dem er den Kopf einer Barbiepuppe statisch auflädt, sodass ihr die Haare zu Berge stehen, hat Eggers einen unterhaltsamen Abend gestaltet. Der Glaube wurde kritisch reflektiert, Liebe endete meistens tödlich und die Hoffnung war allzu oft lächerlich. Die Bilanz ist nicht optimistisch, gelacht wurde trotzdem.

Von Jorid Engler

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