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Poetry Slam im ausverkauften Jungen Theater

Wortspiele und Bühnenpräsenz Poetry Slam im ausverkauften Jungen Theater

„Willkommen zum 143. Poetry Slam. Die Zahl ist frei erfunden“, begrüßt Felix Römer die dicht zusammengedrängten Gäste im Jungen Theater. Fünf junge Künstler aus ganz Deutschland waren gekommen, um ihre Texte dem Göttinger Publikum zu präsentieren. „Jan Koch und das alte Cello“ begleiteten das Programm musikalisch.

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Göttingen. „Keine Instrumente, keine Kostüme. Beatbox ist erlaubt, und der Text muss überwiegend gesprochen werden“, erläutert Römer die Slam-Regeln des Abends, den er gemeinsam mit Christopher Krauß moderiert. Jeweils zwei Kandidaten treten in der ersten Runde gegeneinander an und zeigen in sieben Minuten ihr Können. In der Finalrunde wird unter den drei Verbliebenen der Gewinner ermittelt.

Nik Salsflausen outet sich als Student der Geisteswissenschaften, weil er „ein zutiefst verwirrter Mensch“ sei. Unterhaltsam und lustig schildert er eine Spielrunde „Wer bin ich?“ unter Geisteswissenschaftlern. Lea Weber ist nachdenklicher. Nach dem Abitur würde sie nun an einer Weggabelung stehen. Sie weiß noch nicht genau, wo es hingehen soll. Doch so viel weiß sie schon: „Ich bin ein Streber. Ich strebe nach Glück.“

Nils Früchtenicht, der schon viel Slam-Erfahrung mitbringt, spricht in „Warum wir alle Tiere sind“ über das Kopulationsverhalten von Bonobo-Affen und Albatrossen, nicht ohne einen Vergleich zum Menschen zu ziehen. Er verliert jedoch die Runde gegen Jule, die mit weicher, tiefer Stimme und geschlossenen Augen von der Dreiecksbeziehung zwischen Mond, Sonne und Erde erzählt. „Die Sonne kommt jeden Tag wieder. Du aber nicht“, schließt sie ihren Vortrag.

Auch Tobi Kunze schafft es mit seiner „Ode ans Bett“ in die Finalrunde. „Oh Bett, ich bitte Dich, rekalibriere dieses Skelett“, beginnt er. Kunze verlässt sich nicht allein auf den Humor und den sprachlichen Schliff seiner „Ode“, er gestaltet seinen Vortrag abwechslungsreich, stampft einen Beat mit den Füßen, baut Zungenbrecher ein und schreit auch mal, wenn es notwendig ist. In seinem zweiten Text, „Keine Macht den Worten“, wird es politisch, medien- und gesellschaftskritisch. Er redet gegen leere Worthülsen und Worte mit Sollbruchstellen an, die gebrochen werden, sobald sie auf dem Prüfstand stehen. Mit seinen abwechslungsreichen Wortspielen und intensiver Bühnenpräsenz geht er als Gewinner der Abstimmung durch Applaus hervor.

Der Preis des Slams hat symbolischen Charakter. Der Gewinner bekommt ein Buch überreicht, aus dem vorher ein willkürlich ausgewählter Satz verlesen wird, um „einen Eindruck zu vermitteln“. Eindrucksvoller als das Buch fiel der abschließende Applaus des  Publikums  aus. 

Von Jorid Engler

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