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Polka und Rock, Cocktails und Grog

KWP-Festival Polka und Rock, Cocktails und Grog

Regenschirme, Gummistiefel, Winterjacken: Die Besucher des 23. Open Air Festivals im Göttinger Kaiser-Wilhelm-Park (KWP) waren am Wochenende gut gewappnet gegen drohende Wetterkapriolen jeglicher Art.

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„Ska, Rock, Punk, Heavy Metal“, das is‘ in Wirklichkeit alles Polka“: Die Berliner Band „Polkaholix“ sorgt für heiß getanzte Füße und spielt bis nach Mitternacht.

Quelle: Heller

Göttingen. Die aber blieben aus, und so konnten rund 2000 Zuschauer am Freitag und Sonnabend insgesamt sieben regenfreie Konzerte im Göttinger Stadtwald erleben.

Seit 1990 veranstaltet der Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen das Festival. Der Mix aus jugendlicher Rockmusik, erwachsenem Soul, eingängigen Gitarrenklängen, gediegenem Classic-Rock und ausgelassener Party-Polka sprach auch diesmal wieder alle Altersklassen und jeden Musik-Geschmack an. Das Festival lässt sich am ehesten als Festival der Kontraste beschreiben.

So schlürften vor Beginn des  ersten Konzertes am Freitagabend viele Besucher unter wolkenverhangenem Himmel sommerliche, mit Schirmchen garnierte Cocktails. Später am Abend sah man vermehrt frierende Leute, die fest einen Pappbecher mit wohlig-warm dampfenden Inhalt umklammert hielten. Die Gastronomen zeigten sich wetterfest und hatten neben Kaltgetränken auch Tee und Grog im Angebot.

Nicht nur die Gastronomie, auch die Musiker wussten dem Publikum mit ihren kontrastreichen Darbietungen einzuheizen. Angekündigt in angenehm entschleunigendem schweizerischem Akzent von Revierförster Wilhelm Kaiser alias Christoph Huber eröffneten „What the Funk“ mit einer Mischung aus tanzbarem Funk, Reggae und Hip Hop das Festival.

„Local Heroes Göttingen“

Die Gewinner aus dem Vorentscheid des Bandcontests „Local Heroes Göttingen“ lockten die Zuschauer zusehends weg von Pommesbude und Bierständen hin zur Bühne: „Heute kann es regnen, stürmen oder schnei’n, hier scheint immer die Sonne rein“, versprachen sie in einem ihrer Gute-Laune Songs.

Die Göttinger Band Feltmann lieferte anständigen Rock, verpackt in eigenen Liedern und Coversongs wie „Heroes“ von David Bowie. Zunächst zaghaft, dann überzeugt wurden bei einer ruhigeren Nummer die Feuerzeuge gezückt.

Als „besonderes Leckerli“ bezeichnete Moderator Kaiser den letzten Künstler dieses Abends. Der Brite Andrew Roachford ließ mit seiner warmen Stimme und mit emotionsgeladenem Soul die Temperatur im Park um gefühlte zehn Grad ansteigen. Sein Auftritt markierte den musikalischen Höhepunkt am Freitag, der von der Besucherzahl noch ausbaufähig gewesen wäre.

„Das Göttinger Publikum ist liebenswert, aber nicht ganz wetterfest“, so Margot Blotevogel vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen. „Das Wetter hätte durchaus charmanter sein können“. Dennoch lobte die Organisatorin den Charme des Festivals, den ausmache, dass sowohl die jungen Bands als auch die „Großen“ hier auf die Bühne kämen.

Die „Großen“ und die „Jungen“ wussten die Atmosphäre im KWP gleichermaßen zu schätzen: „It’s so cool, I’m in the middle of a forest, and I can see the blue moon above!“ stellt ­Roachford am Freitagabend verzückt fest. Am Sonnabendabend zieht Felix Roch, Sänger der Osteroder Rockband „Overcome Solitude“ nach dem Auftritt ein ähnliches Fazit: „Es ist echt gemütlich hier mit den Rängen und all den Leuten hier mitten im Wald“. Die Gewinner des Band-Contests „Rock am Kaufpark“ eröffneten den Sonnabend mit frischem, melodischem Punkrock.

Sympathisch unverbraucht und fröhlich inter­agierten die Teenager mit dem Publikum. Ihr neuer Song „Fireworks“ brachte auch die älteren Umstehenden zum rhythmischen Fußwippen. Zur Belohnung flogen prompt zwei BHs auf die Bühne. „Dafür richten wir uns ein Extrazimmer ein“, freute sich Gitarrist Henrik Matschke.

Regenschirme, Gummistiefel, Winterjacken: Die Besucher des 23. Open Air Festivals im Göttinger Kaiser-Wilhelm-Park (KWP) waren am Wochenende gut gewappnet gegen drohende Wetterkapriolen jeglicher Art. Die aber blieben aus, und so konnten rund 2000 Zuschauer am Freitag und Sonnabend insgesamt sieben regenfreie Konzerte im Göttinger Stadtwald erleben. Seit 1990 veranstaltet der Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen das Festival. Der Mix aus jugendlicher Rockmusik, erwachsenem Soul, eingängigen Gitarrenklängen, gediegenem Classic-Rock und ausgelassener Party-Polka sprach auch diesmal wieder alle Altersklassen und jeden Musik-Geschmack an.

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Oberförster Kaiser erlaubte den vier Jugendlichen ob der lauten Forderung des Publikums eine Zugabe, bevor er die „Boyband mit dem größten Altersunterschied“ ankündigte: Der 19-jährige Moritz Kelm bot, begleitet von seinem Förderer Alexander Hoffmann an der Gitarre, Coversongs und gefühlvolle Eigenkompositionen. Die Interpretation der Ballade „Chasing Cars“ der Band Snow Patrol erzeugte wohl so manchem eine Gänsehaut.

Das Publikum füllte an diesem Sonnabend bereits gegen 21 Uhr die Ränge des KWP voll aus, und auch später am Abend brachten die Shuttle-Busse stetig weitere Besucher in den Park.

Die Göttingerinnen Lea, Nora und Annette Garben waren wegen der Singer/Songwriterin Joan Armatrading, der dritten Künstlerin an diesem Abend, zum Festival gekommen. „Wir mögen ihre Stimme und die Texte ihrer Balladen“, so Lea. „Das Festival hat eine nette Atmosphäre, es ist sehr geschmackvoll hergerichtet“, lobt Annette Garben das Ambiente.

Inmitten dieser von Lichterketten bestrahlten Atmosphäre fesselte Armatrading die Menschen auf den vollen Rängen mit ihrem anmutigen, stimmgewaltigen Auftritt. Klavier, Gitarre und ihre Stimme standen im Mittelpunkt der Songs, die sich zwischen R&B, Blues und Rock bewegten. Vor allem bei ihren bekannten Hits wie „Love & Affection“ und „Show some Emotion“ gab es kein Halten mehr auf den Rängen.

Den Abschluss des zweitägigen Festivals bildete die Berliner Formation „Polkaholix“. „Polka all night long!“ riefen die sieben Musiker und hauten daraufhin kräftig in die Tasten ihres Akkordeons und in die Saiten ihrer Gitarren und des Kontrabasses. Das Publikum ließ sich von einer Party-Mischung aus Ska, Punk Rock, Heavymetal und Polka bis weit nach Mitternacht mitreißen.

Sänger Andreas Wieczorek machte Dampf mit seiner Stimme und seinem Saxophon und brachte seine Zuhörer zum Singen, Tanzen und Lachen. Kalte Füße und Hände dürfte in dieser Nacht trotz herbstlicher Temperaturen keiner mehr gehabt haben.

Von Katharina Kilburger

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