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Pop-Meeting in Göttingen

Kongress von Niedersachsens Musikszene Pop-Meeting in Göttingen

Die Popmusikszene Niedersachsens trifft sich in Göttingen: Am Dienstag hat im Kulturzentrum Musa das vierte Pop-Meeting begonnen. „Einfach spielen“, empfahl im Eröffnungsvortrag der Heidelberger Trendforscher Dr. Eike Wenzel den etwa 100 Teilnehmern des zweitägigen Kongresses.

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Quelle: Brünjes

Göttingen. „Popular- und Rockmusik sind Formen von Kunst“, stellte Michael Schluff klar. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Rock (LAG), die mit dem Musikland Niedersachsen den Kongress veranstaltet, forderte damit auch Orte für Präsentation von Musik. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hatte diesen Punkt in seinem Grußwort ebenfalls betont. In Göttingen, das eine vitale und dynamische Musikszene habe, gebe es nicht genug Proben- und Auftrittsorte. „Die Zahl der Locations für Livemusik nimmt leider ab“, erklärte Köhler und nannte beispielhaft Exil und Blue Note. Das Blue Note am Wilhelmsplatz existiert nicht mehr, die Tage vom Exil in der Prinzenstraße sind gezählt. Mit dem Gebäude habe der Investor Pläne ohne das Exil, so der Oberbürgermeister. „Wir beobachten diese Entwicklung mit Sorge“, sagte Köhler.

Die Kongressteilnehmer setzten danach auf Altbewährtes und versuchten sich spontan an „Da Da Da“. Das Lied von Trio machte so simpel wie eingängig 1982 Furore – und kommt mit Instrumenten und Gesang als gruppendynamischer Auftakt eines Pop-Meetings immer noch an. Dazu passte auch das Resümee von Trendforscher Wenzel: „Spielen!“

Die Digitalisierung habe alle Branchen und Lebenswelten erfasst. In der Musik gebe es immer neue Vertriebswege, die aber kaum die Verdienstspannen in der Branche verbessern. Der „Plattform Kapitalismus“, der nicht nur die Musikbranche ausnimmt, führe beispielsweise dazu, dass via Spotify 0,46 Eurocent pro gestreamten Song gezahlt werden. Das ergibt 4600 Euro für einen Song, der eine Million mal abgerufen worden ist. Damit verdeutlichte Wenzel, „Spotify bezahlt die Künstler nicht“.

Dass die britische Sängerin Adele wiederum dieses Angebot ablehnt, liege daran, dass sie zu den Top-Five der Szene zähle. Sie profitiere vom Harry Potter-Effekt: Ihre Musik sei in allen Altersgruppen sehr gefragt und somit nicht auf Streamingdienste angewiesen, um sich bekannt zu machen.

Wenzels Empfehlung für die Musiker: Mindestens 200 Gigs pro Jahr. „Musik ist eine analoge und kommunikative Geschichte“, begründete er die Erkenntnisse, die von einem Unternehmensberater stammen, der ein Jahr lang die Verdienstmöglichkeiten einer Musikband untersuchte. „Denkt wieder analog. Musik findet vor Ort statt mit realen Menschen“, sagte Wenzel. Seine Begründung: Digitalisierung ist ein Trend, der nur einen Teil der Musikbranche ausmacht.

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