Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Präsidiales Präsidium

Ex-Titanic-Chefredakteur wieder zu Gast in Göttingen Präsidiales Präsidium

Leo Fischer hat jetzt eine Sammlung seines satirischen Textrepertoires im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität präsentiert.
 Als Ex-Chefredakteur des Satire-Magazins „Titanic“ und  Schreiber des „Neues Deutschland“ verfasst Artikel über Antisemitismus, Politiker oder den Fall Salzborn an der Georgia Augusta.

Voriger Artikel
Geheimnisvolle Femme Schmidt
Nächster Artikel
Michel ohne Freund

Leo Fischer sorgte mit seinem Vortrag im ZHG der Uni Göttingen für einen amüsanten Abend mit Poetryslam-Charakter.

Quelle: PH

Göttingen. Letzterer war auch Anlass des Fachschaftsrates der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Fischer zum sechsten Mal ins Zentrale Hörsaalgebäude der Uni Göttingen einzuladen. So wird ihm fast freundschaftlich die Bühne eröffnet. Das Publikum hat sich mit Bier und Häppchen eingedeckt, als hätte es sich hier versammelt, um den jüngsten Film zu sehen.

Tatsächlich erinnert Fischers Darbietung trotz Hörsaal-Atmosphäre an einen amüsanten Abend mit Poetryslam-Charakter, bei dem der Autor belustigend politisch Stellung bezieht. Er steigt ein mit seinem Text, der den Abend motiviert hat. Unter dem Titel „Präsidial-Unis“ kritisiert er die Entscheidung des Präsidiums der Göttinger Universität zum Rauswurf von Professor Samuel Salzborns.

Der Vorfall sei „nicht weniger präsidial“ als das, was zurzeit am Bosporus passiere. Fischer stellt die Fähigkeiten des Präsidiums und damit ihren Nutzen für die Universität grundlegend in Frage und in die antisemitische Ecke. Dafür erntet er von der Studentenschaft großen Applaus und Zustimmung.Daran schließt Fischer eine Persönlichkeitstest mit der Frage: „Bin ich Antisemit?“ an.

Der Test weist dem Göttinger Universitätspräsidium dabei mit einer Punktzahl von 100000 eine klare Position zu.
Nicht so sehr dem aktuellen Anlass, aber dem Humor des Publikums entsprechend geht es weiter. Fischer stellt Rezensionen über die Biografien von den Politikern Ursula von der Leyen und Hans-Christian Ströbele vor und liest einige seiner in der Zeitung „Neues Deutschland“ unter der Kategorie „Das kann weg“ erschienenen Texte.

Darin thematisiert er das von der Presse geforderte Leistungsschutzgesetz für Online-Texte, den Finanzierungswahnsinn von Stiftungs-Universitäten  und einem derzeit im Literaturbetrieb aufkommenden Trend namens „longread“.Schließlich spannt er einen Bogen zum 50. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zu Israel. Für seine Zugabe wählt er den gleichen Text wie im vorigen Jahr.

Der beweise eindrucksvoll, wie wirksam Satire sein könne, sagt Fischer und liest seine Ausführungen über die Verkehrslage in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Der Verkehrsdezernent der Stadt, Lutz Sikorski, starb nur wenige Monate nach der Veröffentlichung des Textes. Mit diesem makabren Verweis und dem emotionalsten und beeindruckend Sten Vortrag des Abends schafft Fischer einen gelungenen Abschluss. Er stellt noch kurz die Göttinger Vertretung seiner parodistischen Partei „die Partei“, Heide Witzka, vor und verabschiedet sich dann zum Bier trinken.

Von Leslie Whatsack

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff