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Premiere: „Bezahlt wird nicht!“ am Jungen Theater Göttingen

Aberwitzig und rasant Premiere: „Bezahlt wird nicht!“ am Jungen Theater Göttingen

„Bezahlt wird nicht!“ ist das Motto der Frauen, die den Aufstand im Supermarkt proben, weil die Preise erhöht wurden. Dieser Ausspruch ist auch der Titel des Theaterstücks, das am Donnerstagabend am Jungen Theater Premiere hatte. Christine Hofer hat die Komödie von Dario Fo inszeniert.

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In der Zwickmühle: der Polizist (Jan Reinartz), eingekesselt von Margherita (Eva Schröer, links) und Linda (Linda Elsner).

Quelle: Heise

Göttingen. Eine Meute von empörten Hausfrauen beschließt, die Preise selber festzulegen.

Auch Antonia ist unter denen, die dem Marktleiter vorwerfen, dies sei keine freie Marktwirtschaft: „Freien Markt? Für wen?“ Mit ihren erbeuteten „Einkäufen“, denn natürlich hat Antonia wie die anderen nichts bezahlt, trifft sie auf ihre Freundin Margherita (Eva Schröer). Die wird zur Komplizin und hilft, die Lebensmittel zu verstecken. Das ist der Anfang eines Katz-und-Maus-Spiels mit der Polizei.

Ein Spiel, das immer weitere Kreise zieht, denn auch Antonias ebenso argloser wie gesetzestreuer Ehemann Giovanni (Gerrit Neuhaus) und Margheritas Gatte Luigi (Peter Christoph Scholz) werden hineingezogen.

Antonia, gespielt von Linda Elsner, ist die treibende Kraft des Stückes. Sie ist Anarchistin und spinnt immer neue Ausreden, Notlügen und Märchen, um ihrem Mann und der Polizei den Diebstahl zu verheimlichen. Giovanni glaubt an die Demokratie, aber er glaubt auch seiner Frau, die Margheritas dicken Bauch, der einem Sack Lebensmittel geschuldet ist, mit einer Schwangerschaft erklärt.

Jan Reinartz überzeugt gleich in mehreren Rollen mit komödiantischer Leichtigkeit. Er spielt einen linken Polizisten und einen strengen Carabiniere, der als Einziger Antonias fantasievollen Ausreden skeptisch gegenübersteht.

Das Bühnenbild von Dirk Seesemann verlängert die Wege der Darsteller mit einer Treppe, die sich wunderbar in die Versteckspiele und Verfolgungen integrieren lässt. Ein Vorhang, beschrieben mit den Worten „Capitalism must win“, schirmt die Wohnung von Antonia und Giovanni bei Bedarf vor den Blicken des Publikums ab.

Doch gewinnt der Kapitalismus am Ende wirklich? Der Streit um die politische Meinung und die Spannungen zwischen Anarchie und Kapitalismus werden von den kleinen Leuten ausgetragen. Die großen Unternehmer, die die Preise im Supermarkt festsetzen oder Giovannis und Luigis Firma schließen, kommen nicht zu Wort. Selbst Giovanni, der so lange an Recht und Ordnung festhält, gibt am Ende klein bei und stiehlt einen Sack Mehl, als er von seiner Kündigung erfährt.

Eine dichte Komödie mit aberwitzigen Ablenkungsmanövern, rasanten Verfolgungsjagden quer durch den Saal und pointenreichen Wendungen. Die kommenden Vorstellungen im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6: am 15. und 22. Dezember um 20 Uhr, am 31. Dezember um 17.30 und 20.30 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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