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Premiere: Die „Stillen Hunde“ spielen Shakespeares „Macbeth“ im Schloss in Rittmarshausen

Elektrisierender Psycho-Krimi Premiere: Die „Stillen Hunde“ spielen Shakespeares „Macbeth“ im Schloss in Rittmarshausen

"Wann sehn wir drei uns nächstes Mal, bei Regen oder Wetterstrahl?“ Die drei Hexen, die unter Donner, Blitz und schaurigen Unkenrufen Shakespeares „Macbeth“ eröffnen, sehen heute anders aus als sonst. Zwei von ihnen sind eindeutig Männer, die dritte eine Frau. Und der freie Platz, auf dem sie sich treffen, ist nicht auf einer Theaterbühne angesiedelt, sondern in einem herrschaftlichen Wohnraum.

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Dicke Luft: Stefan Dehler (l.) und Christoph Huber in ihrem Macbeth.

Quelle: EL

Rittmarshausen. Die Spielfläche nimmt die gute Hälfte des Zimmers ein, gegenüber sitzen ungefähr 50 Zuschauer. Sie verfolgen gebannt das grausige Schicksal, das Macbeth erst zum König aufsteigen lässt und ihn am Ende in den verdienten Tod führt.

Ungewöhnlicher Rahmen

Im Schloss in Rittmarshausen spielen die „Stillen Hunde“ in der Besetzung mit Christoph Huber, Stefan Dehler und Maja Müller ihre „Macbeth“-Fassung. Das 1713 erbaute Haus, mit den Jahrhunderten etwas heruntergekommen, dafür aber mit dem Charme seiner Geschichte gesegnet, ist ein ungewöhnlicher, zugleich faszinierender Rahmen für Shakespeares Geschichte.

In ihrer Textfassung haben Dehler, Huber und Müller die Nebenfiguren – Herren, Edle, Kriegsleute, Mörder, Diener, Boten und andere – dem kürzenden Strich geopfert. Huber ist in erster Linie für Macbeth zuständig, Müller für Lady Macbeth und Dehler für Duncan, Banquo, Macduff und weitere mehr. Schlüpfen sie aus einer Rolle in die nächste, ändern sie ein paar Kostümelemente, ihren Gang, die Sprechweise – und sind so im Nu ein anderer Charakter mit eigenen Konturen. Das funktioniert großartig.

Drama entwickelt sich auf packende Weise

So kann sich das Drama auf ungewöhnlich packende Weise entwickeln. Wie sich beim kühnen Kriegshelden Macbeth der Gedanke an eine mögliche Königswürde Stück für Stück einnistet und wie er dann in seinem Machtstreben im wahrsten Sinne über Leichen geht, dieser Vorgang vollzieht sich bei Huber so beklemmend folgerichtig, dass man bisweilen eine Gänsehaut verspürt.

Dehler gibt in seinen Rollen meist den strategisch genau planenden Gegenspieler des machtgierigen Königs, distanziert, klug. Als Lady Macbeth verkörpert Maja Müller die Rolle der Drahtzieherin im Hintergrund: Zumindest anfangs tanzt Macbeth nach ihrer Pfeife – bis sie vom Übermaß der selbst verschuldeten blutigen Meucheleien in den Wahnsinn getrieben wird.

Reduktion

Die Reduktion des Dramas auf das Spiel im Zimmer bringt Schauspieler und Zuschauer in beinahe hautnahen Kontakt. Einzig bei großen Gefühlsausbrüchen erzeugt diese Nähe eine gewisse Beklemmung. Theaterblut fließt nirgends – die Farbe Rot, für dieses Stück zwingend, stammt von einem vor dem Schloss installierten Scheinwerfer, der einen blutigen Schein auf die Zimmerdecke wirft.

„Macbeth“ ist eines der kürzesten Dramen Shakespeares. Aber auch in der gekürzten Fassung ist es noch gut zwei Stunden lang – ein spannungsreicher, stellenweise geradezu elektrisierender Psycho-Krimi, der vom Premierenpublikum mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde.
Weitere Aufführungen am 22. und 23. August (ausverkauft)sowie am 6. und 7. September um 20.30 Uhr im Schloss Rittmarshausen, Am Rittmarshäuser Thie 2. Karten gibt es in Göttingen im Drachenladen, Kurze Geismarstraße 34, unter Telefon 0551/44771 oder unter reservix.de.

Von Michael Schäfer

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