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Premiere: „Schmeckt’s? Loriot 2.0“ im Deutschen Theater Göttingen

Zickig im Unterton Premiere: „Schmeckt’s? Loriot 2.0“ im Deutschen Theater Göttingen

Er: „Ich lese ja nur, weil Du Deine Fingernägel noch lackierst.“ Sie: „Solange Du da noch liest, kann ich mir ja wohl meine Fingernägel lackieren.“ Zwischenmenschliche Kommunikation ist kein leichtes Unterfangen. Missverständnisse sind an der Tagesordnung. Aber kaum einer hat sie so schön auf den Punkt gebracht wie Vicco von Bülow alias Loriot.

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Na denn. Prost: Benjamin Krüger, Ralf Sepan, Nikolaus Kühn, Katharina Uhland, Ronny Thalmeyer (von links).

Quelle: Säckl

Göttingen. Ronny Thalmeyer hat eine Affinität zu dem feinsinnigen Humoristen. Nach der Hommage „Sagen Sie jetzt nichts“ hat er mit der Inszenierung „Schmeckt’s? Loriot 2.0“ im Deutschen Theater (DT) einen zweiten Streifzug durch die Welt des großen Humorschaffenden unternommen.

Loriots Sketche und Cartoons sind Kult. Sein Personal ist gut bekannt. Stets in das enge Korsett gutbürgerlicher Konventionen gepresst, reden die Damen und Herren ausdauernd aufeinander ein und aneinander vorbei. Als feiner Beobachter hat Loriot die Absurditäten des Alltags trefflich karikiert. Übertreibung macht anschaulich. Aber Loriot übertreibt immer wohl dosiert und in feingeschliffene Worte gekleidet. Meisterhaft.

Mit seinen Schauspieler-Kollegen Benjamin Krüger, Nikolaus Kühn, Ralf Sepan und Katharina Uhland ließ Thalmeyer Loriots bieder-bürgerlichen Figurenreigen bei der ausverkauften Premiere auf der DT-Kellerbühne in Szenen lebendig werden.

Da begegnet der geneigte Zuschauer einem Kunstpfeifer, der schon vor den Großen dieser Welt „pfuff und pfoff“, und den Hoppenstedts, die zwischen „Jodeldiplom“ und „Winselstute“ dem berühmten Kosakenzipfel huldigen. Es geht in ein Herrenbekleidungsgeschäft, wo man die moderne Hose immer ein bisschen kürzer trägt, dafür aber etwas reichlicher.

Opa Hoppenstedt kauft das legendäre Atomkraftwerk für Enkel Dicki. Und Lottogewinner Erwin Lindemann lässt den Papst eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen. Wir begegnen alten Bekannten wieder. Die Zuschauer amüsieren sich von Szene zu Szene mehr.

Missverständnisse liegen ständig in der Luft. Peinlichkeiten sind programmiert. Die Herren entrüstet, die Damen zickig im Unterton und alle miteinander in ihren Positionen beharrlich und von sich überzeugt. Das Timing stimmt. Die Schauspieler lassen Raum für Zwischentöne und Feinheiten. Weniger ist mehr. Steif, bieder und blass im Gestus ist angesagt.

Mit einem schönen Einfall wartet Thalmeyer zum Ende der Inszenierung auf. Sein Hund Puschkin gibt Loriots Bello, der über Atomstrom sinniert, nicht zum ersten Mal steht Hund Puschkin auf einer DT-Bühne. Ein übergroßer Pullover und ein Teller mit Leckerli spielen diesmal eine nicht unwesentliche Rolle. Und zuletzt heißt es bei Kalbshaxe Florida „Sie haben mir ins Essen gequatscht“. Wie gesagt, das loriotsche Miteinander ist eine einzige Kommunikationsstörung. Lauter und anhaltender Applaus.

Von Karola Hoffmann

Weitere Vorstellungen von „Schmeckt‘s? Loriot 2.0“ im DT-X Keller, Theaterplatz 11, am Montag, 11. Mai, sowie am 5., 17. und 28. Juni um 20 Uhr.

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