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Premiere am Deutschen Theater Göttingen: „Die Schneekönigin“

Pralle Märchenfantasien Premiere am Deutschen Theater Göttingen: „Die Schneekönigin“

„In diesem Königreich wohnt eine Prinzessin. Die ist so …“ „dada …“ „… klug.“ So manche spontane Reaktion aus dem Zuschauerraum war am Sonntag im Deutschen Theater (DT) Göttingen erleben. „Die Schneekönigin“, ein Familienstück von Hans Christian Andersen ab sechs Jahren, hatte Premiere.

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Gerda (Rahel Weiß, r.) und das Blumenorchester (Maren Röhrig, Emre Aksızoğlu, Nikolaus Kühn, Dorothea Lata, v. r.).

Quelle: Müller

Göttingen. „Psst. Hört her, nun fangen wir an.“ Die sechs Schauspieler kommen an den Bühnenrand und führen die erwachsenen und vor allem die kleinen Zuschauer erst einmal anschaulich mit vielen Grimassen, mit „Brrr“ und „Igitt“ in die Geschichte ein. Sie erzählen vom Teufel, der einen Spiegel erschaffen hat, der alles Schöne hässlich macht und alles Gute böse. Der Spiegel stürze vom Himmel, zerspringe und alle Splitter fielen zur Erde. Die Spannung ist groß, und der Vorhang öffnet sich vor vollem Haus. Das Märchen beginnt.

Gerda (Rahel Weiss ) und Kay (Emre Aksizoğlu) sind beste Freunde. Bis ein  Glassplitter des Teufels Kays Herz trifft. Eben noch fröhlich und freundlich, wird er kalt und ganz gemein zu Gerda. Kay lässt sich von der bösen Schneekönigin bezirzen, in ihrem Eispalast zu leben. Gerda macht sich auf die Reise, ihren Freund wiederzufinden. Sie trifft Blumen und eine Krähe (clever, charismatisch und herrlich snobistisch: Bardo Boehlefeld), Königskinder und eine Räuberbande, eine Lappländerin, die sie den Eispalast finden lässt. Und schließlich auch Kay. Mitgefühl und Tränen helfen Gerda, den Freund zu befreien.

Andersens Märchen ist eine poetische Reise, eine Geschichte mit Tiefgang bei der es um den Glauben an Freundschaft und Wärme geht. Und Regisseurin Nele Weber lässt Weiss (zart, verzweifelt, zauberhaft) in der Rolle der Gerda wunderschöne Schattenspiele, eine Geschichte-in-der-Geschichte und eine Riege illusterer Gestalten erleben. Ihre Schauspielkollegen Boehlefeld, Aksizoğlu, Nikolaus Kühn, Dorothea Lata und Maren Röhrig haben mit jeweils drei bis fünf Rollen gut zu tun, mal sind sie quietschbunte Blumen-Kapelle, mal räuberische Rasselbande. Außerdem wirbeln drei von ihnen – welch tolle Idee – an einem Tisch in einigen Passagen als Erzähler, Musiker und Geräuschemacher.

Die Szenerie (Bühne und Kostüme: Helke Hasse) ist so einfach wie wirkungsvoll. Eine Drehbühne schafft Lebendigkeit und bringt die Figuren an andere Orte. Sie ist Schneelandschaft, Eispalast und ein Fluss auf dem Gerda in einem Riesen-Faltboot unterwegs ist. Schattenspiele, sphärische Musik, mystisches Licht, viel Hall, Nebel und Kunstschnee sorgen für eine traumhaft schöne Märchenland-Atmosphäre.

Die Szene, in der sich Gerda mit dem Rentier (herrlich egozentrisch: Nikolaus Kühn) in Richtung Lappland aufmacht, zieht sich etwas. Dafür wirkt die Schlussszene in der Gerda Kay endlich im Eispalast findet nach all den prallen Märchenfantasien etwas unspektakulär. Das Ensemble ist mit großer Spielfreude bei der Sache. Das Publikum bedankt sich für die zauberhaften 70 Minuten mit großem Applaus.

Weitere Nachmittagsvorstellungen: 22. und 29. November, 6., 12., 15., 20., 26. und 27. Dezember, 10. Januar und 1. Februar im Deutschen Theater, Theaterplatz 11. Kartentelefon 05 51 / 49 69 11 oder dt-goettingen.de.

Von Karola Hoffmann

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