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Grenzen der Gastfreundschaft

Premiere am Deutschen Theater Grenzen der Gastfreundschaft

Illegale Einwanderer, verzweifelte Eifersucht, gekränkte Ehre: Darum geht es in dem 1955 von Arthur Miller geschriebenen Theaterstück „Ein Blick von der Brücke“. Am Deutschen Theater Göttingen hatte es in der Inszenierung von Ingo Berk Premiere – ein sehenswertes Drama.

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Paul Wenning, Gerd Zinck, Gabriel von Berlepsch, Marie Seiser

Quelle: Thomas Aurin

Göttingen. Da kommt viel zusammen: Erwachsenwerden, Überlebenswille, Fortschritt, Traditionen, Eifersucht und Ehre. Das alles in einem Akt in 110 Minuten. Arthur Miller (1915-2005) hätte wohl gefallen, was Regisseur Ingo Berk aus seinem Stück „Ein Blick von der Brücke“ gemacht hat. Ein facettenreiches, spannendes, dichtes Schauspiel. Nichts anderes wollte Miller erreichen, als er 1955 das Stück herausbrachte, das die Katastrophe gleich ankündigt. Die entsteht aus dem Anspruch, den Traditionen der Gastfreundschaft zu folgen, und der Fehlbarkeit, die eigene Fehlbarkeite zu akzeptieren.

Weitere Vorstellungen

Weitere Vorstellungen im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, im DT-1 um 19.45 Uhr am  11. und 20. Januar, am 3. und 13. Februar (DT-Kartentelefon: 0551 / 4969-11).

Es geht um das Beziehungsgeflecht in einer Familie, die zwischen italienischer Tradition und dem amerikanischem Way of Life zu bestehen hat. Patriarch Eddie verlangt Respekt von seiner Ehefrau Beatrice und seiner Ziehtochter und Nichte Catherine. Die drei kommen im New Yorker Arbeiterviertel Brooklyn über die Runden. Die 18-jährige Catherine kennt nicht viel von der Stadt und von der Welt schon gar nicht. Das ändert sich mit der Ankunft der italienischen Verwandten Rodolpho und Marco. Illegale Wirtschaftsflüchtlinge, denen Eddie und Beatrice Obdach in ihrer kleinen Wohnung geben. Damit machen sie sich strafbar. Die Angst vor der Einwanderungsbehörde und einer Abschiebung ist groß.

Der wahre Grund

Florian Eppinger macht als Eddie keinen Hehl aus seinem Machtanspruch. Der Widerspruch seiner Ehefrau, der absehbare Verlust seiner Nichte und das Gerede der Arbeitskollegen lassen seine Welt aus den Fugen geraten, aber er wehrt das mit scheinbar breitem Kreuz ab - und isoliert sich dadurch immer mehr. Aber nicht nur er ist mit sich und seiner Situation im Widerstreit - alle sind es. Beatrice, der Andrea Strube die Warmherzigkeit der italienischen Mama und die Berechnung der amerikanischen Tante ebenso gibt wie die Ehefrau, die früh den wahren Grund der Feindseligkeit ihres Mannes und der Grenzen seiner Gastfreundschaft erkennt. Eine ausweglose Lage, in die sich Eddie manövriert, wie Anwalt Alfieri analysiert. Paul Wenning gibt, großmännisch agierend, den Advokaten, der in der Erzählerrolle die handelnden Personen, aber vor allem Eddies „trotzige Unschuld“ einordnet. Eddie einzunorden, gelingt ihm nicht.

Raus aus italienischer Armut

Das alles passiert im passend von Damian Hitz geschaffenen sehr düster gehaltenen Bühnenbild. In der Hafengegend und der einfachen Wohnung bringen - auch was ihre Kostüme anbelangt - die Schauspieler Marie Seiser als Catherine und Gabriel von Berlepsch als Rodolfo Farbe ins Spiel. Agieren die anderen in triste Arbeitskleidung, tragen die beiden starkes Rot und kräftiges Blau. Sie überzeugen als junge Menschen, die offen und fröhlich sind – und ineinander verliebt. Sie wollen mehr sehen als der Blick von der Brooklyn Bridge bietet, die das Bühnenbild andeutet. Sie wollen raus aus italienischer Armut und amerikanischer Arbeitersiedlung.
Aber ihre Liebe ist der Grund für die Tragödie. Die stellen die acht Schauspieler mit starken Emotionen und überzeugenden Gesten dar. Üble Nachrede, handfeste Kämpfe, tränenreiche Appelle und gemeine Denunziation sind die Szenen dieser Hexenjagd. Da kommt viel zusammen. Spannend inszeniert, stark dargestellt: großes Drama.

Weitere Vorstellungen im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, im DT-1 um 19.45 Uhr am 11. und 20. Januar, am
3. und 13. Februar (DT-Karten­telefon: 0551 / 4969-11).

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