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Premiere bei den Gandersheimer Domfestspielen: Intendant Doll inszeniert „Judas“

Verräter oder Held? Premiere bei den Gandersheimer Domfestspielen: Intendant Doll inszeniert „Judas“

Gunter Heun ist ein Schauspieler, der von seiner Körperlichkeit lebt. In dem Ein-Personen-Stück „Judas“ spielt er bei den Gandersheimer Domfestspielen die Titelfigur. Regie führte Intendant Christian Doll. Ort des Geschehens ist ein Gewölbekeller im ehemaligen Kloster Brunshausen.

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Judas (Gunter Heun)

Quelle: EF

Bad Gandersheim. Jesus Christus ist der Religionsstifter, sein Jünger Judas ein Verräter, der seinen Herrn für 30 Silberlinge ans Kreuz lieferte. So erzählt es die Bibel. Jahrhundertelang galt Judas als Schimpfwort, deutsche Standesbeamte haben Probleme damit, wenn Eltern ihr Kind Judas nennen wollen. Will aber eh niemand.

Erst seit wenigen Jahrzehnten denken Künstler darüber nach, ob diese Ächtung wirklich gerechtfertigt ist. Eine dieser Künstlerinnen ist die Niederländerin Lot Vekemans. Sie schrieb das Stück  „Judas“, das 2007 in Haarlem uraufgeführt wurde.

Ist er nun im Himmel? Oder in der Hölle? Judas weiß das nicht. Er weiß nur, dass er unvorstellbar leidet. Jesus habe alle Sünden der Welt auf seinen Schultern getragen, heißt es. Doch Judas muss dafür büßen. Was ist schon der Tod am Kreuz gegen den Hass der ganzen Menschheit, der Judas seit Jahrhunderten entgegen schlägt. Bereut hat er seine Tat. Das Blutgeld wollte er zurückgeben und Jesus wieder auslösen. Als das misslang erhängte sich  Judas.
Doch ohne den Verrat hätte es keine Erlösung gegeben. Für die Umsetzung von Gottes Plan, seinen Sohn zu opfern, war Judas unverzichtbar.

Bemerkenswerte Thesen verhandelt Schauspieler Heun an diesem 60-minütigen Abend. Und er tut das auf bemerkenswerte Art. Ein Zwischenruf gleich zu Beginn der Premierenvorstellung, er solle sich auf Judas konzentrieren, wirft ihn nicht aus der Bahn. Und furchtlos fixiert er alle Besucher einzeln, die im Kreis um ihn herum sitzen, um den dingfest zu machen, der ohne Eintrittskarte dabei ist. Ein wenig feinsinniger könnte man sich den Judas vorstellen. Doch wie gesagt: Heun lebt von seiner Körperlichkeit.

Bis Donnerstag, 13. August, zahlreiche weitere Vorstellungen im Kloster Brunshausen. Kartentelefon: 0 53 82 / 73 777.

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