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Krawatten im Mäusebau

Premiere im Deutschen Theater Krawatten im Mäusebau

Für schlechte Zeiten muss man vorsorgen. Mäuse legen einen Wintervorrat an. Dass Vorratshaltung auch anders zu betreiben ist, zeigt die Geschichte der Maus „Frederick“, die am Sonnabend im  Deutschen Theater Premiere feierte. Das Bilderbuch des Italieners Leo Lionni ist seit Jahrzehnten ein Klassiker.

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Göttingen. Ein skurriler Anblick präsentiert sich dem Zuschauer gleich zu Beginn: Ein riesiger, extrem vollgehängter Wäscheständer, der den in der Wand befindlichen Raum komplett ausfüllt (Bühne: Johannes Frei). Drinnen wuseln sehr agil die Mäuse (als Vertreter aller Mäuse: Gerd Zinck) und mal drinnen und mehr draußen befindet sich die Maus „Frederick“ (Gabriel von Berlepsch). Sogar einen Plan haben die anderen Mäuse gezeichnet, wie der Raum optimal genutzt werden kann.

Verdattert steht Frederick da und wird mit Mützen und Wärmflaschen beladen. Die Devise lautet „Zack“, und nach vielen „Zacks“ ist der Bau dann auch winterfertig und die anderen Mäuse lehnen sich in der Zufriedenheit, die man scheinbar nur nach ehrlicher, körperlicher Arbeit haben kann, zurück und stellen sich die Frage, was denn „Frederick“, der eigentlich die ganze Zeit nur gestört hat, so getrieben hat? Die Inszenierung von Lisa van Buren ist weit entfernt von einer tristen „Eins-zu- eins-Umsetzung des Buches. So haben ihre Mäuse keine Ohren, sondern graue Bademäntel und sammeln auch nichts Essbares. Ihre Sonne ist eine riesige goldene Folie und die Farben sind bunte Krawatten, die sich in gekonnten Improvisationen in Schlange, Parfumflakon oder Funkgerät verwandeln.

Sprache spielt eine spielerische, lautmalerische aber sehr untergeordnete Rolle, manchmal zu Lasten des Verständnisses für die jungen Zuschauer ab 4 Jahren. Frederick hat Farben, Sonnenstrahlen und Wörter gesammelt, damit es auch Seelennahrung gibt im langen, kalten Winter und die anderen Mäuse profitieren davon. Herrlich verträumt, in sich ruhend und mit gekonntem Minenspiel gibt Berlepsch den Außenseiter im Mäusekosmos, der am Ende zum Dichter und leisen Helden avanciert. Die halbstündige, sinnliche Inszenierung macht Spaß und ist eine zeitlose Parabel für die Bedeutung von Kunst in unser aller Mäuseleben.

Von Marie Varela

Weitere Vorstellungen im Bellevue, dem Rangfoyer des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11, um 15 Uhr am 8., 16. und 30. April. Kartentelefon: 0551 / 4969-11

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