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Premiere des ThOP: „Wir lieben und wissen nichts“

Gleichgültigkeit und Lebenslügen Premiere des ThOP: „Wir lieben und wissen nichts“

Zwei Pärchen, eine Wohnung, ein Tauschvertrag – was könnte da schon schief gehen? Die neue Produktion des Theaters im OP ist angelaufen, das Bühnenstück „Wir lieben und wissen nichts“ von Moritz Rinke unter der Regie von Matto Jordan. Spielort ist die Bühne DT-2 im Deutschen Theater in Göttingen.

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Angela Gehrckens als "​Hannah Ley" und David Bolik als "Sebastian Schenck".

Quelle: Opitz

Göttingen. Zwei Paare treffen sich zum Wohnungstausch. Hannah muss für einige Zeit nach Zürich, um dort Zen-Kurse für gestresste Bankmanager zu geben. Ihr Freund Sebastian soll sie begleiten. Währenddessen ziehen bei ihnen Roman und Magdalena ein. Er ist Informatiker, der von hier den Abschuss eines Satelliten in das All verfolgen will.

Roman ahnt nicht, dass er gerade von seiner Schweizer Firma entlassen wurde. Magdalena, seine Frau weiß von der Kündigung. Aber sie schweigt vorerst.  Hier brodelt es unter der Oberfläche. In dem Theaterstück des Dramatikers und Autors Moritz Rinke, das 2012 uraufgeführt wurde, kommt einiges an Konflikten zusammen. Die Figuren könnten kaum unterschiedlicher sein. Und schon bald prallen Welten aufeinander. Kulturhistoriker Sebastian (verschroben und mit viel Witz: David Bolik) scheint etwas aus der Zeit gefallen. Er forscht über alte „hochherzige Gesellschaften“ und hat als Bücherwurm nur wenig mit der digitalen Welt am Hut. Der auf Effizienz bedachte Technikfan Roman (Jakob Wilcke) ist sein klarer Gegenspieler. „Sie verbessern vielleicht die Verbindungen zwischen den Menschen, aber die Abstände zwischen den Menschen werden immer größer“, herrscht Sebastian den Rivalen an.  Auch die Erotik kommt den Paaren ins Gehege.

Hannah (Angela Gehrckens) gefällt Romans Zielstrebigkeit als Macher und Macker. Magdalena (Josefine Malakci) mag Sebastians poetisch-melancholische Attitüde.  Schon lange schwelende Beziehungskrisen brechen offen aus wie ehedem in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“. Geheimnisse werden aufgedeckt. Es wird gestritten, gesoffen und gebrüllt, unverhohlen gebalzt, beleidigt und beschuldigt. Verlustängste und Kommunikationsunfähigkeit, ein unerfüllter Kinderwunsch und Versagen, Gleichgültigkeit und Abhängigkeiten treten zu Tage. Lebenslügen und Konflikte knallen mit Karacho aufeinander. Und aus einer geladenen Pistole fällt ein Schuss.  Das Ensemble geht die 110-minütige Inszenierung mit Tempo, Witz und Spielfreude an.

Zunächst dominieren die komischen Momente, die aber zunehmend dem Melodramatischen Raum lassen. Klar wird: Die Figuren lieben, aber wissen nichts. Und sie wollen es auch gar nicht unbedingt. So fordert Magdalena, man müsse miteinander reden. Und Roman antwortet: „Wir haben immer gesagt, wenn wir nicht reden, trennen wir uns auch nicht.“ Großer Premierenapplaus. 

Weitere Vorstellungen: 03., 15., 17., 19., 21. und 22. Dezember, 5., 14., 20., 23. Januar und Derniere am 24. Januar 2016 um 20 Uhr auf der Bühne des DT-2, Deutsches Theater in Göttingen. Karten im Vorverkauf unter Telefon 0551/496911, per E-Mail theaterkasse@dt-goettingen.de

Von Karola Hoffmann

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