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Das machen doch alle

"Familiengeschäfte" im Deutschen Theater Das machen doch alle

Komplex ist das Personaltableau der Komödie „Familiengeschäfte“. Alan Ayckbourn hat eine Komödie mit vielen tragischen Zügen geschrieben. Erich Sidler, Intendant des Deutschen Theaters (DT) Göttingen, hat das Stück auf die Bühne gebracht – eine eher zähe Angelegenheit.

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Wer? Wie? Wo? Die Familie unterwegs und unter sich. Frederike Schinzler (von links), Andrea Strube, Roman Majewski, Ronny Thalmeyer, Florian Donath und Nikolaus Kühn.

Quelle: Pauly

Göttingen. Jack kommt nach Hause zu seiner Ehefrau Poppy. Er ist Manager und wechselt gerade von einer Tiefkühlfirma in die Möbelmanufaktur seines Schwiegervaters. Dort arbeitet der aufrechte Mann vor allem mit seiner eigenwilligen Verwandtschaft zusammen, die in Saus und Braus lebt. Das hübsche Familiengebäude bekommt erste Risse, als ein privater Ermittler die Szene betritt und Jacks Tochter Samantha des Ladendiebstahls bezichtigt. Ihre Verteidigung: Das machen doch alle. Jack ist erschüttert, doch nach und nach zeigt sich: Das machen wirklich alle.

„Familiengeschäfte“ ist das zweite Stück von Ayckbourn, das Sidler in dieser Spielzeit am DT inszeniert. Vor wenigen Wochen hatte er mit „Falsche Schlange“ Premiere auf der DT-Kellerbühne. In beiden Produktionen gestaltete der junge Bühnenbildner Johannes Frei die Spielflächen, beide Male als realistische Räume. In „Familiengeschäfte“ hat er ein zweistöckiges Haus auf die Bühne gestellt und damit mindestens vier Wohnungen gemeint. Das klingt ein wenig unübersichtlich – und ist es auch. Vor allem gegen Ende, wenn die Figuren von einer Wohnung in die nächste flitzen, ist viel Konzentration gefordert, um den Überblick zu behalten. Zumindest für atmosphärische Ordnung sorgt die starke Bühnenmusik von Jan Beyer.

Termine

Die nächsten Vorstellungen: 14. November, 2., 16., 21. und 28. Dezember um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

In dem Raumlabyrinth tummelt sich das Bühnenpersonal, das bis auf wenige Ausnahmen eher Figuren zeigt als Charaktere zu zeichnen. Hier wird eben eine Komödie gespielt, die zwar geprägt ist von schwarzem, britischen Humor, dennoch sehr boulevardesk daher kommt. „Familiengeschäfte“ gehört nicht zu den Stücken Ayckbourns, die häufig auf den Spielplänen landen, ein wichtiger Grund mag sein: Es ist eine Klamotte, und das muss man mögen, um es witzig zu finden.

Hier also gibt Nikolaus Kühn diesen Jack, der antritt, um die Firma mit Ehrlichkeit und Transparenz aus der Krise zu führen. Kühn zeigt ihn als Idealisten und pendelt dabei ganz wunderbar zwischen Gefühl und Härte, Anpackmodus und Duldungsstarre. Rebecca Klingenberg spielt seine etwas verhuschte Ehefrau Poppy mit viel Überzeugung und ein bisschen Klischee. Sehr viel Klischee gibt Christina Jung ihrer pubertierenden Samantha mit. Moritz Schulze hat den Privatdetektiv Hough ungewöhnlich dandyhaft entworfen. Roman Majewski spielt den kleinen Bruder Jacks, der nicht seine Ehefrau, sondern seinen Porsche und seine Uhr liebt, bemerkenswert einfühlsam. Und Bardo Böhlefeld darf in den Rollen von fünf italienischen Geschäftsleuten sein komödiantisches Talent ausleben – einmal sogar als Sadomaso-Kunde im sehr luftigen Lederoutfit, das ihm Kostümbildnerin Bettina Latscha entworfen hat. Latscha hat sich die Entstehungszeit der Komödie zum Vorbild genommen, die Akteure in Breitschultersakkos gesteckt und ihnen fiese Vokuhila-Frisuren auf den Kopf gesetzt. Trash in Reinkultur. Wie gesagt, das muss man mögen.

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