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Premiere für "Farouks Cousin" in Göttingen

Theaterwerkstatt Premiere für "Farouks Cousin" in Göttingen

Mit „Farouks Cousin“ behandelt die Theaterwerkstatt die Flüchtlingskrise – in Anlehnung an vergangene Zeiten in Deutschland. Am Donnerstagabend feierte das Stück von Thea Brende in der Regie von Dorothea Derben seine Premiere im Kino Lumière.

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Zu Beginn selbstbewusst: Farouk (Fabio Rocchio).

Quelle: Lüthje

Göttingen. Ein Tisch und ein Stuhl, das sind die einzigen Requisiten, die das Stück „Farouks Cousin“ braucht. Und das zeigt: Es geht um die Worte, die gesprochen werden.

Termine

Weitere Vorstellungen: Sonntag, 3. April, um 15 Uhr und Mittwoch, 6. April, um 11 Uhr im Kino Lumière, Geismar Landstraße 19, sowie am Montag, 9. Mai, um 11 Uhr, Dienstag, 12. Mai und Mittwoch, 13. Mai um 19 Uhr im Theater in der Cheltenham Passage, Friedrichstraße 1. Um Voranmeldung für die Vormittagsvorstellungen unter der Telefonnummer 0551/7703785 wird gebeten. Karten gibt es im „Drachenladen“, Kurze Geismarstraße 34 in Göttingen.

Fabio Rocchio spricht als Schüler Farouk zu seinen imaginären Klassenkameraden. Lässig hat er sich auf den Tisch gesetzt und beginnt kaugummikauend sein Referat zum Thema „Lebensumstände in der DDR“. Wie kaum ein Schüler in der realen Welt, der nur ein wenig an Lampenfieber leidet, spricht Farouk über den Flüchtlingsstrom in den Westen und den Bau der Berliner Mauer: absolut selbstsicher, mit lauter Stimme und durch den Klassenraum hopsend.

Zerstörte Orte

Mit großzügigem Einsatz von Gestik und Mimik führt Farouk die Zuschauer in die DDR-Vergangenheit, und er ist absolut in seinem Element – bis ihn ein falsches Bild in seiner Präsentation aus dem Konzept bringt. Statt des DDR-Emblems taucht jenes der arabischen Welt auf. Sichtlich irritiert fährt Farouk fort, unterbricht sich allerdings immer wieder, als in seiner Präsentation Fotos auftauchen, die zerstörte Orte voller Elend und Leid zeigen. Die Fotos stammen von seinem Cousin Nabil, einem Geflüchteten aus Syrien, der unbedingt an der Präsentation hatte mitwirken wollen.

„Das ist falsch!“, sagt Farouk immer wieder, verteilt Zettel an das Publikum, und immer wieder verschwimmen die Grenzen: Sind die Zuschauer nun Publikum bei „Farouks Cousin“ oder sein Mitschüler?

Erzählungen über die Flucht

Farouk ärgert sich lautstark, stellt sich vor den Beamer, fordert auf, die Fotos zu ignorieren. Und verfällt doch immer wieder in die Erzählungen über Nabil und seine Flucht nach Deutschland. Er erzählt von waghalsigen Überfahrten der Familie in Schlauchbooten, von Hunger und Kälte – das Referat ist völlig vergessen. Zu Ende wird im klar, dass sich in der DDR-Zeit einige Parallelen zur momentanen Flüchtlingssituation finden.

Während Farouk die Geschichte von Nabil erzählt, ist es mucksmäuschenstill im Saal des Lumière. Tatsächlich beruht sie auf vielen Erfahrungsberichten, erklärt Autorin Thea Brende.

Aber natürlich ist das alles Theater. Wohl kaum ein Lehrer würde es zulassen, dass ein Schüler sein Referat mit lauter Stimme hält, Tisch und Stühle umschmeißt, mehr emotional als sachlich und völlig vom Thema abweichend.

Von Tomke Aljets

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