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Premiere im Deutschen Theater: Plisch und Plum

Ordentliches Chaos Premiere im Deutschen Theater: Plisch und Plum

Wilhelm Busch hat᾽s geschrieben, das Deutsche Theater (DT) sich daran für eine Theaterproduktion orientiert: „Plisch und Plum“. Am Sonnabend stand im DT-Studio die Uraufführung auf dem Programm.

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Zwischen Ordnung und Chaos: die Schauspieler Karl Miller und Angelika Fornell. 

Quelle: Säckl

Göttingen. „Plisch und Plum“, frei nach der Vorlage von Wilhelm Busch in der Inszenierung von Hanna Hegenscheidt, hat Kinder wie auch Erwachsene herzlich zum lachen gebracht. Mit jeder Menge Körpereinsatz gelang den Schauspielern Angelika Fornell, Nikolaus Kühn und Karl Miller der Spagat zwischen Ordnung und Totalchaos.

Das Durcheinander beginnt in der ersten Sekunde: Sich gegenseitig ignorierend, spielen die Akteure jeweils ein anderes Instrument, ohne dabei die Musik des anderen zu berücksichtigen. Harsch wird das dissonante Durcheinander von einer Stimme aus dem Off: Die Schauspieler sollen ihre Plätze einnehmen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Während Fornell stets die Gehorsame des Trios ist, liefern sich Kühn und Miller immer wieder urkomische Duelle. Mal schlüpfen sie in die Rolle der beiden Hunde Plisch und Plum, mal in die der zunächst ungezogenen Jungen Peter und Paul und dann wieder in die Rolle der Eltern.

Ausgerüstet mit Stofftieren, Perücken, großen Puppen und jeder Menge Bauklötze lassen sie den Bühnenraum immer wieder im Chaos versinken, räumen auf, und ein neuer Tumult entsteht sogleich. Geradezu brutal fliegen die Requisiten dabei durch den Raum. Unweigerlich bricht das Publikum in Gelächter aus.

Das Stück kommt bequem ohne lange Dialoge aus. Vielmehr besticht es durch die kuriose Körpersprache der Schauspieler, insbesondere wenn Miller seine langen Arme und Beine scheinbar unkontrolliert durch die Gegend schlingern lässt, und Fornell ihn immer wieder anleiten muss, wie er sich zu benehmen habe. Die liebevoll ausgefeilten Tanz-Choreographien versprühen jede Menge Charme. Niemand lässt sich trotz des Wirrwarrs aus dem Takt bringen. Rhythmische Wortspiele mit zahlreichen Wiederholungen rufen verloren geglaubte Struktur zurück.

„Plisch und Plum“ bietet mehr als nur kurzweilige Unterhaltung. Auch nach mehr als 100 Jahren lehrt die Geschichte um die beiden frechen Hunde, Grenzen zu erkennen und bestehende Systeme neu zu ordnen.

Von Tina Evers

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