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Premiere im Jungen Theater: „Crash-Kids“ von Marcus Romer

Plump erzählt, aber starkes Personal Premiere im Jungen Theater: „Crash-Kids“ von Marcus Romer

„Ein Jugendstück von Marcus Romer“ lautet der erste Satz in der Beschreibung von „Crash-Kids“. Unter der Regie von Sebastian Stolz startet das Stück als letzte Premiere in diesem Jahr am Jungen Theater (JT). Im Saal bleiben einige Plätze unbesetzt. Die Jugend macht sich rar. Vielleicht aus gutem Grund.

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Viper und jugendlicher Autoknacker: Eva Schröer und Ali Berber im Jugendstück „Crash-Kids“ von Marcus Romer.

Quelle: Heise

Göttingen. Wenn ein Bühnenspiel als Jugendstück angekündigt wird, kann das vieles bedeuten. Vielleicht sind die verhandelten Themen besonders interessant für junge Leute. Oder die Inszenierung wird besonders ansprechend für Jugendliche ausstaffiert, mit Popmusik und grellen Farben vielleicht. Mit solchen Angeboten junge Menschen ans Theater heranzuführen, ist sicher ein hehres Ziel. Wäre da nicht diese eine Sache, die über so manch einem Jugendstück wie ein Damoklesschwert zu schweben scheint: der erhobene Zeigefinger.

Schon bei der ersten Szene von „Crash-Kids“ ist die Gefahr deutlich zu spüren. Eva Schröer, in der Rolle der Viper, steht an einem Grab, legt Rosen ab und beginnt zu erzählen. Ja, Viper ist nicht ganz unschuldig am Tod eines Menschen. Traurig, klar, aber erzählerisch plump. So schwingt das Stück gleich am Anfang die moralische Keule und nutzt dabei nicht einmal besonders innovative Bilder. Jemand steht am Grab und bedauert – wie oft hat man das schon auf Bühnen oder in Filmen gesehen?

Mit seinen überkommenen Bildern, einer vorhersagbaren Handlung und dem ungelenk ermahnenden Gestus schwächelt das Stück leider deutlich auf der Inhaltsebene. Trotzdem ist „Crash-Kids“ kein Stück, von dem man gänzlich abraten kann. Das liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung von Schröer und ihrem Bühnenpartner Ali Berber.

Einzelne Bravo-Rufe

Berber hatte sich bei der Generalprobe einen Bänderriss zugezogen, so dass die Premiere sogar verschoben werden musste. „Normalerweise ist ein bisschen mehr Action in dem Stück“, verrät JT-Intendant Nico Dietrich bei einer kurzen Ansage vor Beginn. Berber spiele nämlich auf Krücken.

Und das macht er ziemlich gut. Trotz der Behinderung  spielt Berber seine Rolle als jugendlicher Autoknacker Colly schnell und ungestüm und mit weit mehr Action, als man einem derart Verletzten zugetraut hätte. Die Krücken scheinen ihn überhaupt nicht zu stören, im Gegenteil. Nutzt er sie doch, um zum Beispiel das Schießen mit einem Maschinengewehr zu imitieren. Und auch Schröer baut den kleinen Makel ganz natürlich in ihr Spiel mit ein: „Ich stand am Schultor, und er kommt auf mich zugerannt – äh, gehumpelt.“

Am Ende ist das Publikum zufrieden, woran das spielerische Können der Schauspieler den größten Anteil haben dürfte. So mischen sich einzelne Bravo-Rufe in den Applaus. Ein Stück mit Fehlern, aber eine Inszenierung mit starkem Personal.

Von Daniela Lottmann

Nächste Termine: 20. und 30. Dezember, 9., 13., 21. und 30. Januar um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6. Karten unter Telefon 05 51 / 49 50 15 und unter junges-theater.de
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