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Premiere im Jungen Theater: Eva Schröer spielt die Hauptrolle in „Bilder einer großen Liebe“

Leuchtende Eva Premiere im Jungen Theater: Eva Schröer spielt die Hauptrolle in „Bilder einer großen Liebe“

Göttingen. Mit dem Roman „Tschick“ hat Wolfgang Herrndorf einen großen Erfolg gelandet. Die Fortsetzung „Bilder einen großen Liebe“ blieb unvollendet, der Autor starb. Robert Koall schrieb aus dem Stoff eine Bühnenfassung, die am Sonnabend im Jungen Theater Premiere hatte – eine Herkulesaufgabe für Schauspielerin Eva Schröer.

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Horrornacht mit Papa im Zelt: Das Leben von Isa (Eva Schröer) ist verrutscht.     

Quelle: Heise

90 Minuten dauert die Vorstellung, in jeder Sekunde davon ist Schröer präsent, körperlich, aber auch mit viel Ausstrahlung. Sie spielt die 14-jährige Isa, die aus der Psychiatrie ausbricht. Ihr Motto: „Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist und nicht bescheuert.“ Es ist der erste Satz des Buches, mit dem Herrndorf Isa begleitet. Sie wird im Laufe der Geschichte Tschick und seinen Freund treffen. Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Herrndorf hatte sich, von einem Hirntumor schwer beeinträchtigt, im Alter von 48 Jahren im August 2013 umgebracht.

Isa will Ordnung in Leben bringen, dass von sexuellem Missbrauch durch ihren Vater schwer in Unordnung geraten ist. Nach ihrem Ausbruch trifft sie eine Reihe von Männern, alle gespielt von Jan Reinartz, der die Bühne dabei weitgehend seiner Kollegin überlässt. In Fernsehdeutsch hieße die Rolle Reinartz᾽ „Sidekick“. Er ist der Gehilfe, der die Hauptfigur zum Leuchten bringt. Die Protagonistin indes rast fast dem Wortsinn nach eineinhalb Stunden lang über Tische und Bänke. Eine wuchtige Holzkonstruktion, die Bühnen- und Kostümbildnerin Vera Koch entworfen hat, fordert der Darstellerin wilde Klettereien, Sprünge in die Tiefe und waghalsige Sprints um Ecken mit rutschigem Boden ab.

Das Mädchen trifft auf seltsame Figuren wie ein taubstummes Kind und einen Binnenschiffer, der sich als Bankräuber outet. Einen Jungen, der Frösche in einem Eimer trägt, bringt sie beinahe um. Doch was Wirklichkeit ist, was Phantasie, das bleibt offen.

Temporeich hat Vanessa Wilcke dieses Roadmovie inszeniert. Sie gönnt Isa zwar nur wenige Pausen zum Atemholen, die aber sind dramaturgisch sauber gesetzt. Und sie verbündet sich mit Reinartz: Auch sie lässt Schröer leuchten. Stürmisch feierte das Publikum die Produktion, mit besonders viel Applaus aber die Hauptdarstellerin.

Die nächsten Vorstellungen: 3., 13. und 21. November sowie am 11., 23. und 28. Dezember um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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