Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Premiere im Theater im OP: „Der Tod und das Mädchen“

Erschreckende Erkenntnis Premiere im Theater im OP: „Der Tod und das Mädchen“

Eigentlich sollte das eigene Zuhause ein Schutzraum und Ort der Sicherheit und des Wohlfühlens sein. Ein Platz im Leben eines Menschen, den er abriegeln kann. Was aber, wenn ausgerechnet der eigene Mann das blanke Böse im eigenen Haus willkommen heißt?

Voriger Artikel
Kulturtipps für Göttingen von Angela Brünjes
Nächster Artikel
„Meyer-Burckhardts Frauengeschichten“ in der Göttinger Paulinerkirche

Will sich rächen: Paulina (Alina Halverscheid).

Quelle: Opitz

Göttingen. Wiebke Schäfer und Jennifer Reinhardt inszenieren am studentischen Theater im OP (ThOP) das 1991 geschriebene Stück „Der Tod und das Mädchen“ des chilenischen Autors Ariel Dorfman. Paulina, gespielt von Alina Halverscheid, glaubt in dem Übernachtungsgast ihres Mannes ihren Folterer wiederzuerkennen. Dr. Roberto Miranda heißt ihr vermeidlicher Peiniger, gespielt wird er von Martin Liebetruth. Sie sinnt auf Rache, will ein Geständnis. Für den Zuschauer aber beginnt ein Verwirrspiel. War er es wirklich? „Ich bin dafür die ganze Bande umzubringen“, sagt Miranda selbst und meint damit Menschen, die anderen Gewalt antun. Gehört er etwa selber dazu? Wer ist hier Opfer, wer Täter?

Die Frage danach, wo das Stück spielt, löst das Team vom ThOP sehr geschickt. So läuft vor Beginn südamerikanische Musik. Sie verweist auf die Herkunft des Autoren Dorfman, der nach dem Militärputsch von Augusto Pinochet 1973 Chile verlassen musste und ins Exil in die US-Staaten ging. Unter Pinochet war es zu Folter und Menschenrechtsverletzungen gekommen, bevor 1990 die Demokratie wiederhergestellt wurde. Bis auf die Musik vor Beginn gibt es aber im Stück selbst keinen deutlichen Verweis, wo die Handlung spielen könnte.

Die Schauspieler sind schlicht schwarz gekleidet, das Bühnenbild besteht aus unauffälligen weißen Möbeln. Es wird bewusst ein unspezifischer Schauplatz entworfen. Reinhardt und Schäfer signalisieren mit dieser Unbestimmtheit, das die Handlung überall dort spielen könnte, wo Folter möglich ist oder war. Vielleicht ist diese Erkenntnis die erschreckendste des Abends: es fallen einem so viele Länder ein, in denen das Stück hätte spielen könnte. „Wir haben uns einfach immer noch nicht daran gewöhnt“, sagt Joe Pfändner in der Rolle von Paulinas Ehemann Gabriel. „Woran?“, fragt Miranda. - „An die Demokratie.“

Von Daniela Lottmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff