Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
„Ein Bericht für eine Akademie – Kaffka“

ThOP – Premiere „Ein Bericht für eine Akademie – Kaffka“

Nach 16 Produktionen spielen sie endlich wieder auf der eigenen Bühne. Das Ensemble des ThOP (Theater im OP) hatte nach den Renovierungsarbeiten erstmals wieder Premiere „zu Hause“. Die Zuschauer erwartete schwere Kost von Klaus Berg leichtfüßig inszeniert: „Ein Bericht für eine Akademie – Kaffka“.

Voriger Artikel
Kermani und die christliche Bilderwelt
Nächster Artikel
Großartig inszeniert: Der Untertan

Eine geradezu kafkeaske Vorstellung: „Ein Bericht für eine Akademie – Kaffka“ im Theater im OP.

Quelle: Opitz

Göttingen. Ein Stück im Stück ist die neue Produktion des ThOP: mit einem Schauspieler, auf Kafkas Ein-Mann-Geschichten spezialisiert, einer Regisseurin, einem Kritiker, diversen wunderlichen Gestalten und einem äußerst eigenwilligen Publikum.

Inszenierung mit Hindernissen

Georg Ortner (Martin Liebetruth) versucht sich in einer Kafka-Inszenierung von „Ein Bericht für eine Akademie“. Doch weiter als die ersten Sätze, schafft er es nicht, seinen Text zu rezitieren. Aufgrund von Unterbrechungen muss er immer wieder von vorne beginnen.

Mal moniert die pedantische Regisseurin seine Textunsicherheit, mal bricht der Theaterkritiker in euphorisches Pseudointerpretationsgelaber aus oder das Publikum stört die Vorstellung durch frenetischen Applaus zum falschen Zeitpunkt.

Auf der Bühne dahinvegetieren

Eine Einführung in professionelle Theaterarbeit möchten sie geben. „Interpretation, Werktreue, Offenheit, Mut, freieste Improvisation und das alles ergebnisoffen“, beschreibt die Regisseurin (gespielt von Ayse Bolik) das Vorhaben. Schon diese einführenden Worte lassen ahnen, dass man sich auf Worte und Deutungen in diesem Stück nicht verlassen kann.

Nächste Termine

Nächste Vorstellungen sind am 16.04., 19.04., 20.04.,  22.04., 23.04., 26.04., 27.04., 29.04. und 30.04. um 20.15 Uhr im ThOP, Käthe-Hamburger-Weg 3. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.

Denn wie vereint man freieste Improvisation mit Werktreue? Wie passt professionelle Theaterarbeit zu den verkrachten Existenzen, die dort mal penibel, mal gelangweilt auf der Bühne dahinvegetieren?

Freiester Blödsinn

In ihrer Ernsthaftigkeit sorgt dieses Sammelsurium an Witzgestalten für stetige Heiterkeit des (echten) Publikums. Doch die Aussage des Stücks bleibt unklar, wenn nicht kafkaesk. Wird hier der Theaterbetrieb satirisch aufs Korn genommen?

Ist es eine Verballhornung von Kafka-Kritikern, deren an den Haaren herbeigezogene Interpretationen wohlklingender rhetorischer Sondermüll sind?

Letztendlich widerspricht sich Werktreue und freiester Blödsinn nicht. Denn wie die Werke von Franz Kafka (1883-1924) lässt auch dieses „Kaffka“-Stück des ThOP mehrere Lesarten zu. Interpretationen erwünscht!

Von Jorid Engler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff