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Premiere: „Wir sind keine Barbaren!“

Junges Theater Göttingen Premiere: „Wir sind keine Barbaren!“

„Genau so sind wir“, verkündet der Chor und zählt allerlei Durchschnittszahlen auf, die die Deutschen beschreiben. Sehr lustig und sehr ernst hat Tobias Sosinka „Wir sind keine Barbaren!“ am Jungen Theater Göttingen inszeniert. Die Satire hinterfragt die gängigen Klischees der Flüchtlingsdebatte.

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Agnes Giese, Karsten Zinser, Peter Christoph Scholz, Linda Elsner.    

Quelle: Heise

Göttingen. Ein Fremder klopft an die Tür. Linda (Linda Elsner) und Paul (Peter Scholz) lassen ihn nicht rein. Ihre Nachbarn, Mario (Karsten Zinser) und Barbara (Agnes Giese), gewähren ihm Unterschlupf. Eine Diskussion entflammt zwischen den beiden ungleichen Paaren. „Eine Wohnung ist eine sensible Stelle“, empört sich Linda. Einen Fremden einfach so aufzunehmen, sei doch gefährlich. Und auf keinen Fall dürfe man sich ausnutzen lassen. „Ich klingel ja auch nicht bei ihm“, stimmt ihr Freund Paul ihr zu.

Einkaufen und putzen

Ganz anders sieht Barbara das: „Ein Flüchtling ist ein Mensch, der jedes Land seinem eigenen vorzieht, weil er in seinem eigenen verfolgt wird.“ Mario beugt sich dem Willen seiner Frau, doch man könne den Flüchtling ja wenigstens Einkaufen und Putzen lassen, damit er beschäftigt sei. „Herzlich willkommen im Postkolonialismus!“, schreit Barbara zynisch auf.

Der Flüchtling tritt nie in Erscheinung und doch ist er Hauptgesprächsthema. Noch bevor ausdiskutiert wurde, ob er mehr Bedrohung, Schutzsuchender oder gar sexuelle Verlockung ist, verschwindet er plötzlich und mit ihm Barbara.

Die Handlung wird gegliedert und gerahmt von den Auftritten des „Heimatchors“. Es ist geradezu unheimlich wie wenig Überzeichnung notwendig ist, um „die“ Deutschen zur Karikatur werden zu lassen. Es scheint, als sei die Realität schon Satire genug, wenn der Diskurs um die Flüchtlingsdebatte vom Chor mit markanten Schlagwörtern zusammengefasst wird.

Lacher garantiert

Die vier Schauspieler überzeugen in der übertriebenen Darstellung der Protagonisten. Besonders Scholz brilliert als oberflächlicher Dümmling und sorgt für einige Lacher. Intendant Nico Dietrich freut sich, dass das Stück „so kurzfristig ins Programm genommen werden konnte, auch angesichts der aktuellen politischen Lage.“

Von Jorid Engler

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