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Premiere mit den Stillen Hunden im Göttinger Apex

Alles Weicheier Premiere mit den Stillen Hunden im Göttinger Apex

„Ich habe es oft gesagt, Herr Seele, du bist ein guter Geschäftsmann. Aber Fußball, das ist kein Geschäft“, sagt der verzweifelte Jugendtrainer Schepek. Dabei sieht das Herr Seele ganz anders.

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Liegen im Clinch miteinander: Schepek (Christoph Huber, l.) und Harry Seele (Stefan Dehler).

Quelle: EF

Göttingen. Mit dem Stück „Schwalbe du Mädchen!“, das am Donnerstagabend seine Premiere im Apex feierte, wagt sich die freie Theaterformation Stille Hunde in die Abgründe deutschen Provinzfußballs. „Eine Kreisligakomödie“ wird das Stück beschrieben. Doch die beiden Protagonisten haben gar nichts zu lachen.

Da zetert Harry Seele, Eigentümer einer Speditionsfirma und Vereinssponsor, über schief hängende Werbebanner und die  Familien aus dem Neubauviertel, die keine Begeisterung für den Fußball spüren, teilnahmslos am Spielfeldrand stehen, und sowieso den ganzen Tag Müsli fressen würden. Gespielt wird Seele von Stefan Dehler, der auch das Stück geschrieben hat. Lieblingsopfer des cholerischen Geschäftsmanns ist aber die Mannschaft: „Ihr seht aus wie eure Muttis!“ Vis-à-vis schreit Seele seinen Frust dem Publikum entgegen. Und genau das macht am meisten Spaß, denn ihm fallen immer originellere Beleidigungen ein.

Den Gegenpart zum keifenden Seele bildet Trainer Schepek, gespielt von Christoph Huber, der immer wieder versucht zu schlichten. Der eine Spieler hat Probleme mit seiner Freundin, der andere liegt gerade mit seinem Kumpel im Clinch. Weicheier, findet Seele, der sich bald von den Versöhnungsversuchen des Trainers angegriffen fühlt: „Ich werde doch wohl noch ein paar Takte sagen können, ohne das hier eine Menschenrechtsorganisation einläuft!“ Es dauert nicht lange, bis der Wüterich mit Hitler verglichen wird. Das macht Seele betroffen. „Ja, vielleicht haben sie auch Putin gesagt“, versucht Schepek die Wogen zu glätten.

Beim Publikum kommt der schroffe Humor gut an. Dehler und Huber schaffen es gekonnt, die Emotion und Leidenschaft von Fußballbegeisterten darzustellen und auf die Spitze zu treiben. Das Hochgefühl nach einem gelungenen Spielzug, oder die herzzerreißend schlechte Laune nach einem Fehler ihrer Mannschaft wechseln sich ab. „Ihre Tochter? Ganz schön groß geworden“, versucht Schepek seinen Partner abzulenken. „Dick! Dick geworden ist sie! Die Ponys haben schon Angst vor ihr“, macht Seele seiner üblen Laune Luft.

Das Stück ist gegliedert in die Teile eines Fußballspiels. Vor dem Spiel, erste Hälfte oder Halbzeitpause heißen die Akte, die Leon Hast, der Musiker der Theatergruppe, jeweils mit einem kleinen musikalischen Einspieler ankündigt. In Schlagermanier und mit obligatorischer Bierflasche mimt Hast den passionierten Fußballfan, und singt die Zeilen, die den Theaterabend gut zusammenfassen: „Fußball hat eine Seele, und diese Seele lebt in der Provinz.“

Von Daniela Lottmann

Nächste Vorstellung am 7. Juni um 20.15 Uhr im Apex, Burgstraße 46.
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