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Premiere von Andrew Bovells „Das Ende des Regens“ am Deutschen Theater Göttingen

Gefangen im Geduldsspiel Premiere von Andrew Bovells „Das Ende des Regens“ am Deutschen Theater Göttingen

Tropfende Regenschirme und triefende Mäntel drängen sich in der Garderobe des Deutschen Theaters. Und doch: Es hätte kein besseres Wetter für die Premiere von Andrew Bovells Stück „Das Ende des Regens“ am Donnerstag geben können.

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 Premiere von Andrew Bovells Stück „Das Ende des Regens“ im Deutschen Theater Göttingen.

Quelle: Scherer

Mitten im nassen Rauschen der Straße, das sich mit dem aus den Lautsprechern trifft, liegt, gelandet wie ein mysteriöses Ufo,  ein Geduldsspiel auf der großen Bühne.

 Als breiter saturnischer Ring schräg zum Zuschauerraum gekippt bietet es in der Mitte eine Spielfläche, aus der es kein Entrinnen gibt. Im Auge des Sturms der großen Regenfälle sind die Darsteller in größter Statik gefangen und mit ihnen die Zuschauer, während sich die Geschichte eines Mannes, der seinen Vater sucht, in einem nicht enden wollenden Szenenreigen von 1959 bis 2032 und von Europa bis nach Australien  ausbreitet. 

Den Rahmen der Geschichte bildet das versöhnliche Wiedersehen eines Vaters und seines Sohnes nach 25 Jahren, mit Rückblenden und versetzten Fragmenten wird aus der Zukunft die Familiengeschichte von wechselnd verlassenen und verlassenden Vätern und Söhnen erzählt. Den Frauen in der Geschichte kommt dabei meist eine schicksalhaft machtlose Rolle zu.

Nach und nach verspinnen sich die ausgelegten Fäden von Pädophilie, Klimakatastrophen, Demenz, Armut und Alter, Verkehrsunfällen, Fischsuppe und anderen ängstigenden Schrecken zu einer tragisch-konsistenten etwas überausgestatteten Erzählung, in der sich zwei Familiengeschichten auf das Schönste und aber auch sehr auf das Schrecklichste treffen.

Premiere von Andrew Bovells „Das Ende des Regens“ am Deutschen Theater Göttingen. © Scherer

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Die Statik dem Fluiden entgegenzusetzen ist eine gute Idee, sind doch Familienverhältnisse, Familiengeheimnisse oft wie zementiert, während um sie herum das Leben weitergeht und auch die Menschen sich weiterentwickeln. Regisseur Ingo Berk gelingt es indessen nicht, diese Gegensätze so zu nutzen, dass sich eine spannungsreiche Intensität entwickelt.

Er verknappt den Schauspielern den Raum auf verschiedenen Ebenen. So wirkt die sehr schöne Bühne von Damian Hitz zwar als klaustrophobischer Kern, dem zu entkommen den Figuren nur in wenigen Nächten gelingen mag, der für die Darsteller an diesem Abend aber oft unerreichbar bleibt.

Ein Geduldsspiel zu lösen verlangt besondere Konzentration und Geschicklichkeit, es stehen Mauern dort, wo die Kugel endlich einmal ins Rollen kommen würde, Generation um Generation eckt an, bleibt stecken.

Dass am Ende doch noch alles in Bewegung gerät und der Regen endlich aufhört, birgt eine seltsam angehängte zukunftsfrohe Lösung der Konflikte, die gewollt wirkt - zumindest aber den Nachhauseweg trocken erleben lässt.
 

Im Deutschen Theater in Göttingen, Theaterplatz 11, am 13. und 19. Mai, 3., 17. und 29. Juni zu sehen. Kartentelefon 0551/496911; dt-Goettingen.de.

Von Tina Lüers

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