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Premiere von „Die Ziege oder wer ist Sylvia“ im Jungen Theater Göttingen

Tierische Liebe Premiere von „Die Ziege oder wer ist Sylvia“ im Jungen Theater Göttingen

Theater bewegt. Manche bewegt es zum Nachdenken und später zur Diskussion, andere zum Lachen oder Weinen. Einige bewegen sich sogar selbst – und zwar vor die Tür, wenn das aufgeführte Stück nicht gefällt. Die Premiere im Jungen Theater (JT) von „Die Ziege oder wer ist Sylvia“ rief viele Reaktionen bei den etwa 150 Zuschauern hervor. Ein Spannungsfeld der ganz besonderen Art.

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Martin (Jan Reinartz) versucht seiner Frau Stevie (Agnes Giese), die „wunderbare“ Beziehung zur Ziege Syliva zu erklären.

Quelle: Heise

Göttingen. Bei Martin läuft es augenscheinlich richtig gut. Als Architekt ausgezeichnet, führt er mit Ehefrau Stevie und ihrem homosexuellen Sohn Billy (Ali Berber) ein recht harmonisches und erfülltes Leben. Aber Martin ist abgelenkt, vergisst immer wieder Dinge.

Nach einem missglückten Interview gesteht er seinem Freund, dem Journalisten Ross (Karsten Zinser), dass er seit einem halben Jahr eine Affäre mit Sylvia hat – Sylvia, der Ziege. In die anscheinend fröhliche Normalität der Familie Gray bricht eine Realität von nahezu archaischer Gewalt.

Jan Reinartz spielt Martin zu Beginn gekonnt verträumt. So lebt der Architekt in einer flauschigen und für sich liebesdurchströmten Welt. „Sie stand da und schaute mich an“, sagt Martin über das Kennenlernen von Sylvia. In späteren Konflikten mit seiner Familie wird sein Ton rauer, die Gedanken ausgesprochen klarer. Er versteht nicht, warum andere seine Liebe zu dem Tier als abartig empfinden.

Diese Beziehung sei schließlich „etwas Wunderbares“. Agnes Giese ist als Stevie wutdurchströmt, zerlegt das halbe Bühnenbild von Susanne Ruppert, um schließlich in nahezu psychotischer Ruhe, den nächsten Ausbruch ihrer Gefühle vorzubereiten. Harte Beschimpfungen wie „Zeigen-Ficker“ fliegen wie scharfe Messer durch den Raum. Deckung finden die Zuschauer kaum.

Frage nach der Sexualität des Menschen

Nicht allein die Sexualität der Protagonisten steht im Mittelpunkt des Stücks von Edward Albee. Der US-amerikanische Schriftsteller, der unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, stellt unerbittlich die Frage nach der Sexualität des Menschen. Was auf der Bühne im JT unter der Regie von Tobias Sosinka wie eine seichte Komödie beginnt und mit grimmigem Humor durchzogen ist, bleibt stets eine Prüfung der Toleranz – sowohl auf als auch vor der Bühne.

Viele Besucher lachen über das anmutend Tragische – lachen bei der geringsten Anspielung auf vollzogene „Sodomie“, wie es im Stück heißt. Martin fühlt sich nicht verstanden: „Ich bin allein“, sagt er. Für andere Besucher erscheint das Stück als eine Perversion der menschlichen Sexualität und des gesellschaftlich Anerkannten.

Anhänger des klassischen Theaters finden so schnell keine Moral in der Geschichte. Tatsächlich nimmt die fortschreitende JT-Inszenierung Formen einer Tragödie an, platziert sich letztendlich aber doch irgendwo zwischen boulevardeskem und tragikomischem Spiel. Einige Zuschauer gehen, ohne am Ende zu applaudieren. Andere zollen nicht unbedingt dem Stück, aber der schauspielerischen Leistung Respekt.

Von Friedrich Schmidt

Weitere Vorstellungen: unter anderem am 21. und 31. Oktober, 8. und 21. November, 6., 10. sowie 19. Dezember jeweils um 20 Uhr.

Karten gibt es unter der Telefonnummer 05 51 / 49 50 15.

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