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Fragen, Gedanken, Erfahrungen, Bilder

„Ich mache mir die Welt ...“ im DT Göttingen Fragen, Gedanken, Erfahrungen, Bilder

„DT – Am Puls. Das Theaterfestival für-von-mit Kindern & Jugendlichen“ läuft noch bis Mittwoch, 22. Juni, am Deutschen Theater in Göttingen. Am Sonnabend hatte die Aufführung „Ich mache mir die Welt ...“ unter der Spielleitung von Gabriele Michel-Frei und Thilo Grawe Premiere.

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Premiere von „Ich mache mir die Welt ...“ im Deutschen Theater Göttingen

Quelle: r

Göttingen. „Gestern, heute, morgen, nächste Woche, Monat, ach, nächstes Jahr. Immer dasselbe, derselbe Alltag, tagein, tagaus“, sagt der junge Spieler und spielt dazu immer wieder dieselbe Melodie am Kinderklavier. „Das Leben dreht sich im Kreis. Vergleichbar mit einer Reise zu dir selbst, in der du an zahlreichen Stationen aussteigen, ihr entfliehen möchtest.“

Die 16 Spieler zwischen 16 und 77 Jahren widmen sich in ihrem gemeinsam entwickelten Bühnentext dem ganz großen Ding, dem Leben. „Die Zeit entrinnt wie Sand zwischen deinen Fingern. Mach etwas daraus. Denn bist du einmal vom Zug gefallen, kannst du nie wieder einsteigen.“ Ein starkes Bild, aber es bleibt keine Zeit, dem nachzugehen. Die Reise beginnt, und die Gruppe nimmt die Zuschauer mit.

Mit Ironie, mit Träumereien, schwärmerischen, politischen und realistischen Gedanken nähert sich die Gruppe dem Thema „Ich mache mir die Welt ...“ an. Die Reise auf der Bühne, die sich auf einer Ebene mit den Zuschauern abspielt, führt hinein in virtuelles und echtes Leben.

Mit wem würde ich gerne tauschen? Was ist dein Lieblingsessen? Wäre der Film meines Lebens eine Komödie oder eine Doku? Sind junge Menschen wirklich frei in ihrem Tun? Fragen und Gedanken, Verortungen, Wertzuschreibungen, Wunschvorstellungen und Bilder wechseln Szene um Szene. Mal ist es zielloses Durcheinanderlaufen, mal ein Rennen im Takt des Lebens. In einer Sequenz geht die Kommunikation völlig dissonant aneinander vorbei, in einer anderen werden Erinnerungen ausgetauscht.

Gedanken, Erlebtes und Erfahrenes verschieben und formen sich zu immer neuen Bildern. „Wie bunte Steinchen in einem Kaleidoskop“, erklärt Spielleiterin Gabriele Michel-Frei.

Die digitale Welt wird aus deutlich kritischer Perspektive betrachtet. Viele Fragen werden ausgesprochen, um unbeantwortet zu bleiben. Manches ist etwas arg pathetisch formuliert, anderes regt zum Nachdenken an. Das teils improvisierte Gedankenspiel beenden die Akteure mit einer positiven Aussage: „Ohne Konsequenzen, ohne Regeln und ohne Kompromisse. Wir sagen ja, zu dir, zu euch, zu allen.“

Bemerkenswert an der Aufführung ist, dass die Akteure mit großer Spielfreude dabei sind und den großen Altersunterschied ganz unverkrampft angehen. Und dass – wie zu vermuten steht – das Spiel um Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse in weiten Teilen einen dokumentarischen Charakter hat, vieles den Akteuren selbst zuzuschreiben ist.

 

Eine weitere Vorstellung auf der Bühne DT-2 steht am Mittwoch, 22. Juni, auf dem Spielplan des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11. Die Uhrzeit ist, anders als im Programm angegeben, um 22.30 Uhr.

Von Karola Hoffmann

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