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Premiere von „Nathan der Weise“ am Jungen Theater Göttingen

Nur vorgeführt Premiere von „Nathan der Weise“ am Jungen Theater Göttingen

„Einen Klassiker im neuen Gewand“, der aktueller kaum sein könnte, verspricht  das Junge Theater mit der Inszenierung von „Nathan der Weise“, die am Sonnabend Premiere hatte. Das von Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing mitten in der  bedeutendsten theologischen Auseinandersetzung des 18. Jahrhunderts verfasste dramatische Gedicht in fünf Aufzügen stellt die Frage, welche der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam die wahre ist.

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Martialischer Gestus: Eva Schröer, Linda Elsner, Götz Lautenbach, Ali Berber, Karsten Zinser (von links nach rechts).

Quelle: Heise

Göttingen. Eingebettet in eine verschlungene Familiengeschichte stellt auf dem Höhepunkt die Ringparabel, die Lessing aus Boccaccios Decamerone ein wenig abgewandelt übernahm und die bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, den Dreh- und Angelpunkt der Frage nach dem besten Glauben dar.

Als Schlüsseltext der Aufklärung spitzt die Parabel den Toleranzgedanken zu und gibt den Religionen tausend Jahre Zeit, sich zu beweisen. Dass diese Zeit auch heute noch längst nicht abgelaufen ist, zeigen die gegenwärtigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina, zwischen Christen und Muslimen, Schiiten und Sunniten, Buddhisten und  Muslimen und vielen weiteren, die das Thema so aktuell machen.

Regisseur Tobias Sosinska setzt ganz auf den Text des Originals, will der Sprache ihre Kraft lassen, auf die sich auch die Aufklärer verließen. Im Vordergrund steht aber vor allem viel martialischer Gestus, messerscharfe Bedrohung und  Aufregung allerorten,  lautes Schreien und schlagender Lärm, recht einfach Situationen besetzende Musik.

In der sehr linearen Wiedergabe des Textes bleibt kein Platz für Eigenes, Zeitgenössisches, der religiöse Fanatismus unserer Tage gerinnt zu Accessoires, die allenfalls andeuten, was mutiger hätte bespielt werden müssen. 

Maschinenpistolen und vermummte Kämpfer aus dem Terrorcamp, Bogenschießen statt Schachspielen, kugelsichere Westen für den Aufenthalt rund um Jerusalem, eine New Yorker Feuerwehrsirene, wie sie auch im September 2001 endlos zu hören waren.  

Eine differenzierte Sicht auf die eigene Wirklichkeit ermöglicht das Stück in dieser Weise nicht. Ein Schritt voraus, ein Schritt abseits hätte das Geschehen in unsere Zeit transportiert, dem Theater seine unabdingbare Gegenwart zurückgegeben und den Klassiker in seiner Aktualität verständlich gemacht statt ihn nur vorzuführen.

Vorstellungen im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, am 5., 9., 15. und 20. Mai. Karten unter 0551/495015 oder kasse@junges-theater.de.

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