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Im Marihuanadunst

Premiere von „Romeo und Julia“ im Theater im OP Im Marihuanadunst

Der wohl berühmtesten Liebesgeschichte der Welt hat sich ein Team dreier Studierender angenommen und sie auf die Bühne des Theaters im OP gebracht: Romeo und Julia.

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Quelle: r

Göttingen. Die Geschichte dieser unmöglichen Liebe zweier Teenager, die mit dem Selbstmord beider endet, entsteht in dieser Inszenierung quasi aus dem Nichts. Die Bühne stellt sich dar als ein leerer Raum mit wenig Requisiten, umso mehr liegt der Zuschauerfokus auf den Darstellern. Mercutio (Henriette Nickels) eröffnet die Tragödie eindringlich in englischer Sprache und mit großer Bühnenpräsenz.

Danach entspinnen sich an diesem Abend allerdings nicht die Shakespearschen Verse, sondern die deutsche Übersetzung des zeitgenössischen Regisseurs, Autors und Übersetzers Frank-Patrick Steckel. Die Übersetzung hält sich oft nicht an die Versform und lässt vieles, auch liebgewonnen Zitate - „Oh wackrer Apotheker, dein Trank wirkt schnell“ - aus. Ein Wagnis zwar, aber es gelingt, da die Übersetzung mehr Klarheit und Direktheit bringt und den Blick für das Wesentliche dabei nie verliert.

Schauspielerisch geht es nach den gelungenen spielerischen „Jungsszenen“, die der junge Montague oftmals ganz modern im Marihuanadunst verbringt, in dem Gemeinschaftsprojekt von Dennis Klofta, Diana Tyebally und Xenia Jöst durchwachsen zu: Ein Kostüm füllt eben noch keine Rolle aus, und auch wenn man die Geschichte kennt, möchte man den Text gut verstehen können.

Das Liebespaar überzeugt aber glücklicherweise. Steffen Hackbarth bringt nicht nur seine Angebetete, sondern auch die unterschiedlichen Facetten des Romeos von cool, über liebestoll bis verzweifelt feinfühlig zum Leuchten. Yasmin Theis gibt eine liebreizende Julia, die manchmal noch pubertärer und überschwenglicher hätte agieren können, vor allem in der berühmten Szene, in der sie ihre Amme (Anna Kohlrautz) nach Neuigkeiten über den Geliebten löchert.

Punkten kann die Inszenierung durch ihre Choreographien, ihre starken Bilder und ihre sorgfältige Musikauswahl von Klassik, über Jazz bis Techno, die einen Hauch von Baz Luhrmanns berühmter Verfilmung aus dem Jahr 1996 ins Theater bringt. So ist es auch die Musik, die am Ende die sich ausbreitende, lähmende Betroffenheit mit dem musikalischen Kontrapunkt „What a wonderful world“ schmerzlich steigert. Sehenswert, packend und kein bisschen von gestern.

Von Marie Varela

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