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Premiere von „The Who`s Tommy“ im Schauspielhaus Kassel

Rockoper als Modenschau Premiere von „The Who`s Tommy“ im Schauspielhaus Kassel

Lange, ungebändigte Haare sind das Sinnbild der Woodstock Generation, zu der auch die bis heute populäre englische Rockband „The Who“ gehört. Basierend auf ihrem erfolgreichen Konzeptalbum „Tommy“ aus dem Jahr 1969 entstand die erste Rockoper überhaupt: „The Who’s Tommy“, hat jetzt im  Kasseler Schauspielhaus Premiere gefeiert und bot ein farbenprächtiges, expressives 90- minütiges Spektakel, das an eine Modenschau erinnerte.

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Tommy (Peter Elter).

Quelle: EF

Kassel. Ein riesiger, kreuzförmiger Laufsteg in Weiß verbindet die Bühne mit dem Zuschauerraum und steigt dort treppenförmig an. Oben steht in leuchtenden Lettern „Tommy“. Das Ensemble spielt ausschließlich auf diesem Laufsteg und ist ständig in Bewegung. Auf diese Weise gibt es in der Inszenierung von Patrick Schlösser nach allen Seiten viel zu sehen und der Zuschauer taucht mit allen Sinnen ein in die schräge und tragische Geschichte um den blinden, tauben und stummen Tommy (Peter Elter), der später als Genie am Flipperautomaten gefeiert wird, weil er wie kein anderer spielen kann. Der Junge hat allen Grund sich in sein eigenes Universum zurückzuziehen. Er muss mitansehen, wie der aus dem Krieg heimgekehrte Vater den Liebhaber der Mutter tötet, wird später vom Onkel misshandelt, während seine überforderte Mutter (Agnes Mann) sich vergnügt, und muss die zweifelhaften Heilversuche von zahlreichen Ärzten über sich ergehen lassen.

Das große Tänzer- und Schauspielerensemble leistet Großartiges. In gelungenen, zum Teil zeitgenössischen Kostümen von Wiebke Meier bringen sie ein energiegeladenes Fest für die Sinne auf den Laufsteg und lassen das Publikum in Tommys faszinierende – und vor allem dank der Live-Band – vibrierende Innenwelt eintauchen. So fliegen dann bei den Kulthits wie „Acid Queen“ oder „Pinball Wizard“ von Pete Townshend große, leuchtende Bälle umher und fordern zum Mitspielen auf. Die Band unter der musikalischen Leitung von Thorsten Drücker transportiert gekonnt und ansteckend die Energie der Hits von „The Who“.

Leider fällt der Gesang dagegen ab. Nicht nur in der Intonation, auch in der Artikulation gibt es deutliche Schwächen bei den Hauptdarstellern, die durch technische Probleme noch verstärkt werden. Dabei wäre bei der nicht gerade griffigen oder linearen Geschichte ein gutes Verständnis des englischen Textes wichtig gewesen. Der  Fokus wird durch die gesanglichen Mängel ungünstig verlagert und die Strahlkraft der Hauptfiguren verringert. Mitreißend ist diese Inszenierung trotz allem. Am Ende ist der ganze Saal auf den Beinen und feiert ausgelassen mit.

Von Marie Varela

Weitere Vorstellungen: 24., 25., 26., 29., 30. und 31. Juli sowie am 1. und 2. August um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Kassel. Kartentelefon: 0561/1094222.

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