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Premiere von X-Freunde im Deutschen Theater

Mitreißender Sprachfluss Premiere von X-Freunde im Deutschen Theater

„Was soll das werden? Ein Dialog?“, fragt Anne ihren Mann Holger. Naja, mehr oder weniger. Im Stück „X-Freunde“ von Felicia Zeller reden die Charaktere zwar miteinander, sprechen und leben aber letztendlich aneinander vorbei.

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Arbeitstiere: Holger (Gabriel von Berlepsch, links), Anne (Elisabeth Hoppe) und Peter (Frederik Schmid).

Quelle: Winarsch

Göttingen. Ein wortgewaltiges Werk, bei dem die Wörter oftmals fehlten, hatte am Dienstag Premiere auf der Kellerbühne des Deutschen Theaters (DT).

Arbeit steht im Zentrum unseres Lebens. Nicht nur wegen des Geldes. Sie stiftet nämlich auch Identität und Sinn. Menschen dürfen sich mit ihr als nützliche Mitglieder der Gesellschaft fühlen. Soweit die Theorie. Arbeit kann aber auch krank und blind für das Umfeld sowie die Mitmenschen machen.

Managerin Anne (Elisabeth Hoppe) hat gerade ihren Beruf gekündigt und ihre eigene Agentur „Private Aid“ gegründet. Ihr arbeitsloser Mann Holger (Gabriel von Berlepsch), Ex-Betreiber einer damals erfolgreichen Catering-Firma, kümmert sich um den Haushalt. Die letzte Skulptur in der Serie „X-Freunde“ des Bildhauers Peter (Frederik Schmid) wird auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt. Doch jeder scheitert derzeit auf seine Art und Weise. So arbeiten sich alle um Kopf und Kragen.

Vollständiges Fehlen von Empathie

Die drei sind rastlos. Sprechen oft in abgehackten Sätzen. Sätze, die vollständiges Fehlen von Empathie fassen. Die Gedanken sind schneller, als es die Zeit zulässt, sie auszusprechen. Ein witzig bis brutaler, aber vor allem gewaltiger Sprachfluss entsteht, der unnachgiebig strömt und die Zuschauer im ausverkauften Keller mitreißt.

Die Inszenierung unter der Regie von Intendant Erich Sidler und Haus-Regisseurin Antje Thoms benötigt nicht viel Platz. Sie verlegen die Handlung größtenteils auf einen Balkon. Ganz kleiner Raum für die großen Pläne der scheiternden Existenzen. Oft ist das Geländer eher Abtrennung und Einschränkung, als sichere Brüstung. Räumt Holger Grill, Essen und Wäsche von der einen in die andere Ecke, nimmt Annes Arbeit mit Zetteln, Post-its und Ordnern immer mehr Raum ein.

Hoppe spielt Anne aufgewühlt. Mit zerzausten Haaren hechtet sie den Aufgaben ihrer Agentur hinterher. „Stress soll ja auch positiv sein“, sagt sie. Berlepsch entwickelt seine Figur im Laufe des Spiels. Lebt irgendwie neben den Arbeitenden her und schafft sich seine eigene Arbeitswelt im Haushalt. So lange, bis der Druck, der auf ihm lastet, aus ihm herausbricht. Dazwischen Schmid als Freund Peter. Gekonnt zeichnet er den Bildhauer, der mit vordergründiger Gelassenheit seine Kreativitäskrise zu kaschieren versucht. – Kreativität, die die Inszenierung reichlich besitzt.

Von Friedrich Schmidt

Weitere Aufführungen: 10., 16., 23., 27. November sowie 2., 22. und 29. Dezember jeweils um 20 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.
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