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„Projektchor Synagogalmusik“ singt Vertonungen liturgischer Psalmen

In schöne Melodien gekleidet „Projektchor Synagogalmusik“ singt Vertonungen liturgischer Psalmen

Brücken zwischen Kulturen zu bauen, ist eine der edelsten Aufgaben der Musik. Einer dieser Brückenbauer ist Louis Lewandowski (1821-1894). Der deutsch-jüdische Komponist hob in seinen Werken die religiösen Gesänge der Synagoge auf ein neues Niveau.

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Kraftvoll und dynamisch: der Projektchor unter der Leitung von Andor Izsák.

Quelle: Heller

Göttingen. So wurden sie Teil der europäischen Musikliteratur – und kamen auf Augenhöhe mit Werken von Mendelssohn Bartholdy, Schubert oder Brahms.

Als Folge des Nationalsozialismus ist der Komponist allerdings in Vergessenheit geraten. Die Göttinger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit brachte ihn jetzt zurück ins Bewusstsein: Ein „Projektchor Synagogalmusik“ führte am Sonntag mit Mitgliedern des Europäischen Synagogalchors in St. Paulus eine Vertonung liturgischer Psalmen auf. Der große Andrang des Publikums zeigte das Interesse an der Wiederentdeckung.

Schwarz gekleidet tritt der rund fünfzigköpfige Chor in den Altarraum. Mit dem Dirigenten Andor Izsák wurde ein profunder Kenner der jüdischen Kultur und insbesondere Lewandowskis gewonnen. Dass er den Organisten Alexander Ivanov mitgebracht hatte, war ein weiteres Geschenk des Abends. So wurde hörbar wofür der Komponist noch steht: die Integration der Orgel in die Synagogalmusik.

Als der Amateurchor mit dem Psalm 23 beginnt, wird gleich die Stärke der Vertonungen Lewandowskis hörbar: Die Worte sind in schöne Melodien gekleidet, das Auf- und Abtauchen der hellen Frauen- und dunklen Männerstimmen lassen die ge­sungenen Zeilen funkeln. Die Orgel setzt dazu feierliche Akzente. 

Von starken Melodien geprägt

Auch die folgenden Psalm-Vertonungen sind von starken Melodien geprägt. Der Chor singt  trotz dünn besetzter Männerstimmen kraftvoll und dynamisch. Der eindringliche Gesang der Choristen lässt dabei die religiöse Essenz der Musik spüren.

Doch Lewandowski kann auch anders: Die Vertonung und Interpretation des Psalms 103 wird zum Glanzlicht des Abends. Das abwechslungsreiche Werk geht der Chor zart und anmutig an. Das kunstvolle Wechselspiel zwischen dem Chor und den vier Solisten wirkt fast wie ein Hörspiel. Dann steigert sich der Chor immer mehr und das Werk endet mit der bewegenden Zeile „Preise, meine Seele, den Ewigen“.

Nach dem Abend hat man den Wunsch, Lewandowski öfter zu hören – gerne gemischt mit christlichen Chorwerken. Denn dem Komponisten ging es darum, Brücken zu bauen. Dieser Geist sollte auch heutige Konzertprogramme prägen.

Von Udo Hinz

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