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Publikum feiert Lisa Simone im Kulturzelt Kassel

All is well Publikum feiert Lisa Simone im Kulturzelt Kassel

Sie hat lange gebraucht, um sich vom Schatten der Mutter zu befreien: Erst 2014, mit 52 Jahren, brachte Lisa Simone, Tochter der legendären Jazzdiva Nina Simone, ihr erstes Album heraus. Am Freitag trat sie mit ihrer exzellenten Band im Kulturzelt in Kassel auf.

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Tolle Stimme, spielerisch leicht eingesetzt: Lisa Simone.

Quelle: EF

Zunächst einmal war Warten angesagt. Statt um 19.30 Uhr war der Konzertbeginn auf 20.45 Uhr verschoben. Das Flugzeug, das Lisa Simone und ihre Musiker aus Frankreich nach Deutschland bringen sollte, hatte einen technischen Defekt, erst um 18 Uhr landete die Band mit einer anderen Maschine in Frankfurt. Die Wartezeit vertrieben die Veranstalter dem Publikum mit einem Film über den Auftritt von Nina Simone beim Jazzfestival in Montreux 1976.

 
Vergleiche aber verbieten sich. Jede ging ihren eigenen Weg. Lisa ging mit 19 zur US Air Force und blieb elf Jahre lang, bis sie schließlich ihrer Liebe zur Musik nachgab. Sie wurde Musical-Sängerin am Broadway und Frontfrau der amerikanischen Acid-Jazz-Band Liquid Soul. Mit All is well legte sie 2014 ihr erstes Album vor. Eine gelungene Mischung aus Jazz, Soul, karibischen Rhythmen und Pop.

 
Sogleich nimmt der satte, druckvolle Sound der Band und die fantastische Stimme von Lisa Simone das Publikum gefangen. Diese nutzt sie so spielerisch leicht wie professionell, wechselt zwischen zarter Kopfstimme, kräftiger Röhre, vollem Jazz- und leichtem Popgesang. Ihre Band, sie nennt sie ihre musikalische Familie, steht ihr in nichts nach: der senegalesische Gitarrist Hervé Samb, der amerikanische Bassist Reggie Washington und der aus Guadeloupe stammende Perkussionist Sonny Troupé liefern einen hervorragenden Sound.

 
Unbefangen geht Lisa Simone inzwischen mit den Songs ihrer Mutter um. „Hey, I am her only child!“ Wer, wenn nicht sie, sollte sie singen? Und sie singe sie gern, stellt sie fest. „Let’s celebrate Mom“, fordert sie das Publikum auf und singt „My way“ von Nina Simone.

 
All is well. Versöhnlich klingt das. Und Lisa Simone ist tatsächlich zufrieden.  Seit einigen Jahren lebt sie in Frankreich. In den USA, so erzählt sie, wäre ihre eigene, späte Karriere schwer zu realisieren gewesen. Da sei man mit über 30 zu alt. Hier in Europa aber fände jeder, der mit Leidenschaft Musik macht, sein Publikum.

 
Einziges Manko dieses wundervollen Konzerts: spätestens um 22.10 Uhr muss es zu Ende sein. Das Publikum sitzt bei den letzten Songs nicht mehr, es steht, tanzt und feiert die vier Musiker. Aber mehr als eine Zugabe ist nicht mehr drin. Auch Lisa Simone bedauert das sehr. Und verspricht, dass sie bald wiederkommt. Hoffentlich.

Von Christiane Böhm

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