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Puderzucker gestreut in der Mondnacht

Ausstellung Puderzucker gestreut in der Mondnacht

Das Gebäude wirft einen tiefdunklen Schatten auf den Weg, dahinter biegt die kleine Fahrspur mit dem Grasbewuchs um eine Kurve, Felder säumen mit ihrem Ackerrandstreifen die Fahrrinnen. Hell, fast weiß schimmert das Licht auf den erhöhten Stellen der Wegbiegung.

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Form und das Licht sind die beherrschenden Elemente in ihren Bildern: Gerlinde Zantis.

Quelle: Pförtner

 Als hätte jemand Puderzucker in die Nacht gestreut, hier und dort bleibt er deutlich sichtbar liegen und reflektiert das Mondlicht. Es sind die Nachtstücke der Malerin Gerlinde Zantis, derzeit in der Galerie Ahlers in Göttingen zu sehen, die die Nacht von ihrer einsamen Seite abseits von Menschen draußen in den Feldern Südfrankreichs zeigen.

„Wenn der nächste Ort 30 Kilometer entfernt ist“, so die Aachener Künstlerin, und die anderen Menschen, mit denen sie die abgelegenen Orte besuchte, wegen der hereinbrechenden Dämmerung oder der fortgeschrittenen Nacht ins Haus gingen oder noch ein Glas Rotwein tränken, dann beginne ihre Zeit. Zwischen Mondschein, Landschaft und entlegenen Gebäuden, landwirtschaftlichen Hallen mal, mal hermetisch wirkenden Gehöften, skizziert sie Blatt um Blatt in umfangreichen Skizzenbüchern. Im Gespräch mit dem Braunschweiger Kunsthistoriker Siegfried Lang beschreibt sie: „Abends denke ich, es ist ja alles schwarz, am nächsten Morgen aber: Es ist noch viel zu hell.“

Erst aus diesen Vorzeichnungen konstruiert Zantis die Bilder. Es entstehen malerische Zeichnungen mit Pastell und Farbstift, die nicht nur alle nächtlichen Abstufungen von Weiß bis Schwarz genau kennen, sondern auch all die farbigen Zwischentöne, die in der blauen Stunde aufschimmern oder sich zwischen grünenden Sträuchern oder den rostroten Trägern einer Lagerhalle spiegeln. Fein zergliedert sie Flächen in unendliche Halme oder aber „verputzt“ im Gegensatz dazu raue Wände zu heller Flächigkeit.

Lang, der in den Bildern eine beste Einladung zur Kontemplation findet und sie als ein Antidot zu der in Flüchtigkeit zerrissenen Gesellschaft sieht, weist auf die in ihnen unübersehbare Nähe zur Romantik hin, auf die mit dem Bezug zu Caspar David Friedrich einhergehende Präzision der Form. Diese wiederum verweist mit ihrem klaren Lineament und den starken Gegensatzpaaren auch auf die neusachliche Fotografie der 20er und 30er Jahre. „Bei mir läuft alles über die Linie“, so Zantis, das, was sie antreibe, sei das 19. Jahrhundert, das sei eben auch die „Mondnacht“. Die Form und das Licht sind die beherrschenden Elemente in ihren Bildern, sie umgibt die Ruhe, die Schönheit und Leere der nächtlichen Landschaft mit schöner Malerei.

Die Ausstellung ist bis zum 10. November in der Galerie Ahlers in Göttingen, Düstere Straße 21, dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 bis 13 Uhr zu sehen.

Von Tina Lüers

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