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Puhdys in Northeim: Die Träume sind geblieben

Abschiedstournee Puhdys in Northeim: Die Träume sind geblieben

Es ist ihre Abschiedstournee. Dennoch haben die Puhdys am Sonnabend gezeigt, dass sie die Jugend nicht verloren haben. Die Band aus der ehemaligen DDR präsentierte in der ausverkauften Stadthalle in Northeim einen Mix aus alten und neuen Liedern.

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Präsentieren einen Mix aus alten und neuen Liedern: die Puhdys in der Stadthalle Northeim.

Quelle: Heller

Northeim. Im Publikum entdeckt man Schlaghosen, Rollatoren und Vokuhila-Frisuren (vorne kurz, hinten lang). Als die Puhdys ihr Konzert beginnen, rocken sie nicht etwa im Stehen – sie sitzen auf Stühlen. Vor 46 Jahren begann ihre Band-Karriere. Und dennoch: Ihre Musik beweist, sie sind jung geblieben. „Wenn Träume sterben, dann wirst du alt“, singen die Ost-Rocker. Frontsänger Dieter „Maschine“ Birr fordert das Publikum zum Mitklatschen und –tanzen auf. Gemeinsam mit Dieter „Quaster“ Hertrampf und Peter „Bimbo“ Rasym schlägt er die Saiten der Gitarre an. Klaus Scharfschwerdt gibt mit seinem Schlagzeug den Takt vor und Peter „Eingehängt“ Meyer spielt die Melodie auf dem Piano an. Die Puhdys stehen nicht alleine auf der Bühne – auch jugendliche Verstärkung haben sie sich mitgebracht. Das Zusammenspiel überzeugt.

Älter geworden zu sein, heißt eben nicht, alt zu sein. Und jung geblieben zu sein, heißt ebenso wenig, keine Lebensweisheit erworben zu haben. So singen die Puhdys davon, nur zu bereuen, was sie nicht getan haben. Die „jungen alten“ Musiker empfehlen ihrem Publikum, vorsichtshalber trotzdem schon einmal ein zweites Leben zu beantragen. Er habe dazu einen Garantieschein in seiner Geburtsurkunde gefunden, erzählt Birr. Er trägt eine enge Jeans und eine Lederweste über dem bedruckten T-Shirt. Mit dem Fuß wippt er im Takt. „Im zweiten Leben weiß ich wie es geht, ich hab’s ja schließlich schon mal erlebt“, beginnt die Band zu singen.

Dass der Kult-Band ihr (Musiker-)Leben Spaß macht, wird deutlich. „Die Welt ist ein Wunder“, singen sie, und: „Es war schön“. Ihre Musik und die Leidenschaft daran scheinen echt. An diesem Abend stehen neue und ruhigere Lieder auf dem Programm. Die Musiker spielen aber auch alte, rockige Lieder aus ihrem Repertoire. „Geh zu ihr“ aus dem Jahr 1973 ist so ein Lied. Dabei überzeugen insbesondere die Stücke, die zeigen, wie viel Kraft und Rock noch in den Musikern steckt. Meyer, der – wie Birr vermutet – vielleicht schon sein drittes leben beantragt hat, sorgt mit einem Saxophon-Solo für Applaus. Als Hertrampf eine Operette singen möchte, klingt das weniger melodiös – das Publikum jedoch bricht in tosenden Beifall und Gelächter aus.

Die Band verabschiedet sich mit dem Lied „Das Buch“ von ihrer langen Karriere. „Das Lied haben wir 1984 im Palast der Republik zum ersten Mal angestimmt“, erinnert sich Birr. Das Publikum holt die Feuerzeuge aus den Taschen. „Behaltet uns gut in Erinnerung und haltet gut durch“, trägt Birr auf. Vermutlich hat er dabei das angeforderte Treffen in 100 Jahren – im zweiten Leben – im Visier. Die Träume sind geblieben.

Von Theresa Hellwig

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