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Punktgenaues Zusammenspiel

Kammerkonzert Punktgenaues Zusammenspiel

Es gibt die gängigen klassisch-romantischen Cellostücke, etwa Sonaten von Brahms und Mendelssohn oder des mittleren Beethoven, die allerorten im Konzertsaal zu hören sind. Daneben aber existieren viele Kompositionen, die qualitativ mindestens auf gleicher Stufe stehen, doch viel zu selten aufgeführt werden.

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Ausgewogener Klang: Cellistin Lucile Chaubard und Pianist Stefan Irmer.

Quelle: CR

Göttingen. Vier dieser Kompositionen hatte die aus Frankreich stammende, in Göttingen wirkende Cellistin Lucile Chaubard für ihren Kammermusikabend am Sonnabend in der gut besuchten Aula der Universität ausgesucht.

Dazu hatte sie einen sehr kompetenten Klavierpartner mitgebracht: den Kölner Pianisten Stefan Irmer, der im sich auf dem Gebiet der Klaviermusik für unbekannte und selten gespielte Werke einsetzt.

Beethovens späte C-Dur-Sonate op. 102 Nr. 1 eröffnete das Konzert. Hier lässt der Komponist seiner Lust an der Entfaltung der motivischen Arbeit, am Umformen und immer wieder neuen Verändern kleiner Partikel viel Raum, an der Einheit in der Mannigfaltigkeit. Sehr durchdacht gingen Chaubard und Irmer diese Sonate an, achteten auf ausgewogenen Klang und ließen stets dem den Vortritt, der thematisch Bedeutsames zu sagen hat.

In denkbar starkem Kontrast dazu steht Leoš Janáčeks „Pohádka“ (Märchen), ein farbenreicher Bilderbogen mit hier flirrenden, dort tänzelnden Figuren, dann wieder mit volksliedhaften Anklängen und ungewöhnlichen Verschränkungen von gezupfter Cellostimme mit kurz anschlagenen Klavierbässen: eine ganz einzigartige Musik, die den Hörer förmlich ansaugt, ihn nicht loslässt. Diese Faszination vermochten die beiden Musiker nachhaltig zu wecken – ebenso die Klangreize von Claude Debussys später Cellosonate, in der sich jenseits des impressionistischen Farbrauschs der früheren Werke klare, bisweilen geradezu herb wirkende Konturen zeigen.

Den virtuosen Schluss bildete die ebenfalls selten zu hörende Cellosonate von Frédéric Chopin. In diesem Werk hat der Klavierpart eine solche Dominanz, dass eine Balance zwischen den Instrumenten nicht leicht zu erzielen ist. Daran hatten Chaubard und Irmer gründlich gearbeitet, auch wenn hier und da der Celloklang etwas ins Hintertreffen geriet. Ausgesprochen herzlich war der Schlussapplaus. Der Dank: Sergej Rachmaninows wohlklangstrunkene Vocalise op. 34 Nr. 14 als Zugabe.

Von Michael Schäfer

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