Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Puppenflüsterer“ Benjamin Tomkins zu Gast im Deutschen Theater Göttingen

Aus dem Bauch heraus „Puppenflüsterer“ Benjamin Tomkins zu Gast im Deutschen Theater Göttingen

Eine Staubfliege, eine Schildkröte, ein Affe und Benjamin Tomkins, der „Puppenflüsterer“, haben gezeigt, dass Puppenspiel auch Erwachsene unterhalten kann. Das Publikum im Deutschen Theater war von der Performance so hingerissen, dass Tomkins daran erinnern musste: „Es ist nur ein Handschuh!“

Voriger Artikel
Dota & Band im Kulturzentrum Musa
Nächster Artikel
ThOP-Premiere in der Aula am Waldweg

Diskutiert mit seinen Stofftieren: Puppenflüsterer Benjamin Tomkins.

Quelle: Heller

Göttingen. Man kann nur erahnen, dass das lockere Palaver mit der Stubenfliege Hildegard den Künstler viel Übung erfordert haben muss.

Tomkins hat die Technik perfektioniert. Er bewegt nicht die Lippen, während seine Stofftiere mit ihm diskutieren. Dabei kommen unterschiedliche Stimmlagen zum Einsatz. Der „alte Sack“ spricht tief und griesgrämig. Die Schildkröte Henriette mit goldenem Haar redet mädchenhaft und mit Sprachfehler.

Während Tomkins mit dem alten Sack diskutiert, lässt er das Publikum vergessen, dass auf der Bühne eigentlich nur einer redet. Zu schnell ist der Schlagabtausch zwischen den Protagonisten, zu lebendig hält der Puppenflüsterer den alten Sack in Bewegung. „Bist du religiös?“, fragt der Mensch den Sack. Der antwortet: „Ja, ich bin Jute.“

Es ist Tomkins, der immer wieder die Illusion thematisiert. Erst überzeugt er seine Zuschauer von der Niedlichkeit eines kleinen Hasen. Dann wirft er die Handschuhpuppe auf den Boden. Das Publikum stöhnt gequält auf. „Mich beschleicht das Gefühl, dass der ein oder andere von Ihnen die Show ein wenig zu ernst genommen hat“, resümiert er die Aktion süffisant.

Auch abseits des Puppenspiels überzeugt Tomkins mit musikalischen und komödiantischen Einlagen. Am Klavier trägt er sehr kurze Lieder, die meist nur aus zwei Zeilen bestehen, vor: „Und obwohl der Hefeteig keine Emotionen verspürt, liegt er doch da – gerührt.“

Tomkins schafft es in kurzer Zeit, eine Beziehung zu seinen Zuschauern aufzubauen, indem er wiederkehrende Gags etabliert und seine Puppen die Leute in der ersten Reihe anquatschen lässt. Die Zuschauer lassen sich voll darauf ein und klatschen „nicht alle auf einmal und nicht durcheinander“, wie Tomkins ihnen aufträgt. Ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend.

Von Jorid Engler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff