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Puppenspiel von Kasseler Bühne

Figurentheatertage Puppenspiel von Kasseler Bühne

„Ich kenn Dich“, ruft ein kleiner Junge gleich zu Beginn des Stücks der Kasseler Puppenspielerin Marianne Schoppan zu. Sie ist schon einmal in seinem Kindergarten aufgetreten. Am Sonnabend zeigte Schoppan das Stück „Die verliebte Wolke“ von Nazim Hikmet im Nebengebäude der Göttinger Moschee.

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Figurentheatertage in Göttingen: "Die verliebte Wolke" vom Puppentheater Schoppan aus Kassel, hier im Bild: Marianne Schoppan.

Quelle: Heller

Göttingen. Das hat es in der Geschichte der Göttinger Figurentheatertage noch nie gegeben. Erstmals wurde ein Stück in deutscher und türkischer Sprache in den Räumen der Ditib-Gemeinde am Königsstieg gezeigt. Über den Integrationsrat, dem Ditib-Vorstand Emine Öztürk angehört, kam der Kontakt zu den Muslimen zustande. Die anderen Vorstandsmitglieder der Gemeinde stimmten der Aufführung zu. „In der Türkei gibt es das Schattenspiel Karagöz“, erzählt Öztürk. Ein Drittel der 150 Besucher gehörten zur Gemeinde, schätzt sie.

Aufgeregt folgten die Kinder der Geschichte des Mädchens Aysche, die mit ihren Kaninchen und einer Taube in einem Haus mit schönem Garten wohnt.

Der reiche Kaufmann Kara Seyfi will den Garten seinem ohnehin schon großen Besitz hinzufügen. Doch Aysche verweigert sich dem mächtigen Mann. Empört schwört dieser Rache. Doch das Mädchen und ihre Tiere können gemeinsam mit einer Wolke, die sich unsterblich in Aysche verliebt hat, Kara Seyfi vertreiben. Als das Pferd des Händlers diesen abwirft und ihn dann mit Huftritten vertreibt, jubeln die Kleinen.

Schoppan inszeniert das Stück mit den ausdrucksstarken Figuren der Berliner Künstlerin Doris Gschwandtner. Eigens für die Aufführung hat sie sich einen mit Pailletten besetzten Kaftan beim türkischen Atelier Samt und Seide in Kassel anfertigen lassen. Das Stück spielt in osmanischer Zeit, als die Türken noch Pluderhosen und Turbane trugen.

Die orientalische Kultur ist Schoppan seit mehr als 30 Jahren vertraut. Damals arbeitete sie in einem deutsch-türkischen Kinderclub in Berlin. Seit zehn Jahren macht sie zweisprachige Stücke. Mehrere Türkischkurse hat sie besucht und mit einer Muttersprachlerin die Texte eingeübt.

Für die Inszenierung gewann sie die türkischen Musiker Gülten Erenulug und Taylan Karadas, die ihr verschiedene Stücke einspielten. Das Märchen selbst stammt von Nazim Hikmet, dem Begründer der modernen türkischen Dichtung. Hikmet war politisch aktiv, hat deswegen im Gefängnis gesessen und viele Jahre im Exil in der Sowjetunion verbracht.

Dort ist er auch gestorben. Seine Lebensphilosophie prägt die Geschichte. Danach können die Schwachen, wenn sie sich verbünden, die Mächtigen besiegen.

Nähere Informationen unter www.figurentheatertage.goettingen.de

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