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Göttinger Reihe Historischer Musik Purer Genuss

Als vierter und letzter Kandidat der „Göttinger Reihe Historischer Musik“ hat das Ensemble „Prisma“ am Donnerstag ein Konzert in der gut besuchten Universitätsaula gegeben. Zu hören war ausgesprochen spannend interpretierte alte Musik, dazu Unterhaltendes von heute.

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Mit sehr lebendiger Interpretationskunst: das Ensemble „Prisma“.        

Quelle: Heller

Göttingen. Aus Deutschland, Israel und Ungarn stammen die vier Mitglieder des Ensembles, das sich an diesem Nachwuchswettbewerb der Göttinger Händel-Gesellschaft beteiligt hat. Weil sie alle in Deutschland studiert haben, ist Deutsch ihre gemeinsame Sprache. So geriet das von Intendant Tobias Wolff souverän moderierte einleitende Podiumsgespräch locker-entspannt. Dabei zeigten sich die Musiker – die Blockflötistin Elisabeth Champollion, die Violinistin Franciska Anna Hajdu, der Gambist Dávid Budai und der Lautenist Alon Sariel – sehr vertraut mit stilistischen und aufführungspraktischen Fragestellungen.

Das wurde auch gleich im Konzert deutlich. So als seien es Gespräche zwischen kultivierten Menschen, gestalteten die Musiker ihre instrumentalen Dialoge in Valentinis „Sonata enharmonica“, mal zwischen Flöte und Violine, mal zwischen Violine und Gambe, subtil unterfüttert von den sanften, farbig abgetönten Akkorden der Theorbe. Nirgends klingt das Spiel des Ensembles nach Routine, jede Phrase wirkt, als werde sie gerade erdacht.

Diese sehr lebendige Interpretationskunst im Verein mit technischer Perfektion, Tonschönheit und klanglicher Ausgewogenheit machte das Zuhören zu einem puren Genuss. Auf dem Programm stand im weiteren Verlauf vorwiegend unbekannte Musik des 17. Jahrhunderts aus Österreich, Polen, Spanien, Italien und Deutschland: eine internationale Entdeckungsreise, die mit dem Motto der bevorstehenden Händel-Festspiele „Verbindungen“ perfekt harmonierte.

Nicht ganz auf diesem Niveau angesiedelt waren die zeitgenössischen Stücke, die das Reglement dieses Wettbewerbs fordert. Der Berliner Komponist Mark Scheibe hat für „Prisma“ ein nettes Chanson („Ein paar Zeilen von dir“) und ein fröhliches Instrumentalstück („Kleines Volksfest“) geschrieben. Doch diese harmlose Unterhaltungsmusik ist nicht das Genre, in dem sich „Prisma“ entspannt bewegen kann. Außerdem ist das geigerische Können von Franciska Anna Hajdu wesentlich größer als ihr sängerisches Potenzial. Die etwa 300 Zuhörer klatschten ausgiebig und wurden mit einer Scheibe-Zugabe belohnt.

Welches der vier Ensembles diesen Wettbewerb gewonnen hat, wird nach Auszählung des Publikums-Votums bekanntgegeben: voraussichtlich am Donnerstag, 25. Februar.

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