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Pures Vergnügen

"Le Bang Bang" im Northeimer Theater der Nacht Pures Vergnügen

Eigene Kompositionen wie auch phantasievolle Cover-Interpretationen von Jazz-Klassikern und Pop-Hymnen in der minimalistischen Besetzung von Stimme und Bass verspricht das Münchener Duo Le Bang Bang. Zu einem hoch-musikalischen Zwiegespräch luden sie ins Theater der Nacht in Northeim ein.

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Quelle: lin

Northeim. Hinter dem Münchener Duo Le Bang Bang verbirgt sich das Zusammenspiel von Sängerin Stefanie Boltz und dem Kontrabassisten Sven Faller. Von anderen bekannten deutschen ähnlich ausgerichteten Duo-Formationen wie Friend`n Fellow (Gesang und Gitarre) oder den inzwischen aufgelösten Tok Tok Tok (Gesang und Saxofon) unterscheidet sie der vollständige Verzicht auf ein Harmonieinstrument.

Stefanie Boltz hat in der preisgekrönten A-cappella-Formation „Slixs“ gesungen, interpretierte dadaistische Texte und stand als Sängerin und Sprecherin im Studio für Kinder-Musik, Film, TV und Werbung. Faller machte sich nach einem Musik-Studium in New York dort auch einen Namen als Komponist und Arrangeur. Nach seiner Rückkehr nach München arbeitete er einige Jahre in der Konstantin Wecker Band und begleitete Größen wie Charlie Mariano, Scott Hamilton, Chico Freeman, Arlo Guthrie oder Jane Monheit.

Musikalisch bewegen sich beide Musiker auf hohem Niveau. Boltz´ Stimme lanciert mit einer unglaublich großen Bandbreite und Ausdrucksstärke zwischen unterschiedlichen Stimmlagen, sie haucht, flüstert und improvisiert dabei lautmalerisch. Fallers kraftvolles jazziges Kontrabassspiel wechselt zwischen rhythmisch groovigen und sehr lyrisch-melodischen Momenten. Dabei führt das Duo ein intensives musikalisches Zwiegespräch und baut mit sparsamen Mitteln immer neue Stimmungen und Spannungsbögen auf.

Mit großem Ideen- und Ausdrucksreichtum skelettieren sie bekannte Jazz-Klassiker und Pop-Songs und reduzieren diese auf das Wesentliche. Dadurch geben sie den Liedern ganz eigene Nuancen und mehr Raum zum Atmen, so dass die Originalversionen oft auf Anhieb gar nicht mehr zu erkennen sind.

„Nature Boy“, mit dem Nat King Cole einen Nr.1 Hit landete, führt Faller mit Klopfgeräuschen auf dem Korpus seines Instruments ein, bevor sich Boltz Stimme förmlich in den Song schmeichelt. Nat Adderleys „The Old Country“ bekommt in ihrer Version einen leicht verspielten Anstrich. Zu Sam Cookes „You Send Me“ oder dem von Boltz komponierten „April Skies“ schafft Faller faszinierende Stimmungen, indem er mit Hilfe von Delays hallige Widerklänge seiner Bassanschläge erzeugt.

Bei der Auswahl der Stücke müssen diese laut Faller das „Le Bang Bang Gütesiegel“ erfüllen, also stimmig sein für den schlichten Dialog von Stimme und Bass. Neben den Jazz-Klassikern haben auch Pop Songs wie „Here Comes The Sun“ von den Beatles oder der Yes Hit „Owner Of A Lonely Heart“ den Test bestanden.

Um die Intimität ihrer Live-Konzerte zu bewahren, haben Boltz und Faller ihr aktuelles Album „Pure“ zumeist unmittelbar nach den Auftritten während ihrer Tour 2016 teils noch auf der Bühne aufgenommen. Das Album ist für sie quasi ein Fazit der Tour, wie Faller nach dem Konzert anmerkt.

Pure handgemachte Musik, die gleichermaßen in ihrer Schlichtheit, wie auch musikalischen Intensität die Besucher des Theaters der Nacht begeisterte.

Von Jörg Linnhoff

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