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„Quartet New Generation“

Göttinger Reihe Historischer Musik „Quartet New Generation“

Das überaus subtile Zusammenspiel mag den Ausschlag gegeben haben: Am Donnerstagabend wurde dem „Quartet New Generation“ der Sieg im Händel-Nachwuchswettbewerb der „Göttinger Reihe Historischer Musik“ zuerkannt – dabei sind die Blockflötistinnen Susanne Fröhlich, Andrea Guttmann, Hannah Pape und Heide Schwarz insbesondere in der zeitgenössischen Musik zu Hause, wie sie mit drei Kostproben eindrucksvoll bewiesen.

Ein Satz aus einem Werk von Alvaro Guimaraes, wo kaum mehr als drei Töne überraschend viel Farbe ins Spiel brachten, diente als Brücke zwischen zwei Händel-Fugen, original für Cembalo komponiert, hier für vier Blockflöten bearbeitet. Derlei Adaptionen bergen Tücken, etwa was die Stimmigkeit der Artikulation in den verschiedenen Stimmen anlangt. Und genau hier zeigten die vier Musikerinnen eine bemerkenswerte Ensembleleistung: Es hätte einem Cembalisten zur Ehre gereicht, wie übereinstimmend hier die durch die Stimmen weitergereichten Themen dargeboten und entwickelt wurden – und das ungeachtet der so unterschiedlichen Dimensionen von Sopran- und Subkontrabassflöte, einem Instrument, das, hätte es einen Namen, gewiss Goliath hieße. Mit solch fein austarierter Konsortmusik hatten die vier jungen Frauen das Konzert mit einer berückenden, chromatischen, in Halbtonschritten versinkenden und sich versenkenden Fantasia von Samuel Scheidt eröffnet – wie nah sich alte und avantgardistische Musik sein können – und schlossen es mit Adaptionen dreier Orgelkompositionen von Pachelbel, Buxtehude und Bach. Sehr schön, wie besonders dem Sopran bei Buxtehudes „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ ein feinsilbriger und von jeder Schärfe freier und so einem alten Choral angemessener Klang verliehen wurde. Und herrlich, wie die Kontrapunktik der „Fuga in C“ (BWV 545) dahinschmolz – keine Strenge, reine Emotion!

Im Mittelpunkt hatten die vier Flötistinnen ein phantasiereiches Werk des jungen polnischen Komponisten Woiciech Blecharz gestellt: In den „Airlines“ sind die Instrumente nur ausnahmsweise konventionell zu spielen; da ist vielmehr direkt ins Labium der quer gehaltenen Blockflöte zu blasen, nur in das Kopf- oder Mittelstück, es ist mit der flachen Hand zu schlagen oder mit einem Finger über die Grifflöcher zu streichen und dergleichen mehr, woraus ein komplexes, formal an einer spätbarocken Fuge orientiertes Klanggebilde entsteht, in das noch ein Gedicht hineingesprochen wird. Mit großer Souveränität und Konzentration dargeboten, konnte dieses Werk seine suggestive Wirkung entfalten.
Nach der zeitgenössischen Zugabe bekundete mit dem überzeugten Publikum selbst das Dach der Autohalle seinen Beifall, indem es heizungsbedingt laut knackte. In San Francisco beging derweil Nicolas McGegan, musikalischer Leiter der Händelfestspiele, seinen 60. Geburtstag. Er kann sich auf den Auftritt des „Quartet New Generation“ am 24. Mai um 15 Uhr in der Göttinger Uniaula am Wilhelmsplatz freuen.

Karl Friedrich Ulrichs

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