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Emotionale Begegnung

„Jazz­ohneGleichen“ in Rittmarshausen Emotionale Begegnung

Zum Auftakt eines neu ins Leben gerufenen Festivals mit dem Titel „Jazz­ohneGleichen“ traten in Rittmarshausen neben der deutsch-libanesischen Band Masaa mit der israelischen Sängerin Yael Deckelbau auch das Múcio Sá Trio, Gunter Hampel und die XY-Bigband gemeinsam mit der Sängerin Hanna Carlson auf.

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Gemeinsame Musik als gelebte Völkerverständigung: Yael Deckelbaum und Rahib Lahoud.

Quelle: Christina Hinzmann

Rittmarshausen. Das Festival auf dem Schlosses in Rittmarshausen lud zusätzlich zu einem Familienfest ein. Vorab fanden am Vortag Musikworkshops mit regionalen Musikern statt.

Die Unibigband XYJazZ eröffnet gegen Mittag in der offenen Scheune mit schwungvollen Popnummern und Unterstützung der Sängerin Hanna Carlson das Festival. Danach präsentieren Teilnehmer und Leiter der Workshops gemeinsam kleine Improvisationen. Der fast 80-jährige Gunter Hampel eröffnet zum Ende mit einem ausgedehnten Vibraphon-Solo eine kleine Session der Workshopleiter mit Andreas Düker, Gitarre, Martin Tschoepe, Kontrabass, Ove Volquarz, Bassklarinette und Tom Hansen, Perkussion.

Den brasilianischen Gitarristen Múcio Sá führte ein Jazzstudium nach Lissabon, wo er heute lebt. Das Trio legt sehr groovig los. Begleitet wird Sá von Tschoepe, Kontrabass, und Sven von Samson an den Drums. Sá verbindet in seinen Kompositionen die Energie des Flamenco und den Schwung des Samba mit der getragenen Stimmung des portugiesischen Fado zu einer spannenden Mélange. Mal fast schwebend leicht und tänzerisch, dann versonnen findet das Trio immer wieder zu seinen Jazzstrukturen zurück.

Höhepunkt des Festivals ist der Auftritt des Quartetts Masaa um den libanesischen Sänger Rabih Lahoud mit der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum, eine Begegnung der besonderen Art, dürfen sie doch in ihren jeweiligen Ländern aus politischen Gründen nicht gemeinsam auftreten.

Mit eindringlichen Songs im Spannungsfeld zwischen Folk, Singer-Songwriter- und Popmusik eröffnet die in Israel sehr populäre Deckelbaum zur Gitarre den Auftritt. Mit ihrer facettenreichen Stimme und Energie nimmt sie das Publikum mit in die tiefgehende Gedankenwelt ihrer Lieder.

Masaa um Lahoud und die deutschen Musiker Marcus Rust, Trompete, Flügelhorn, Clemens Pötzsch, Klavier und Demian Kappenstein, Schlagzeug, verbindet auf kreative Art europäischen Jazz mit arabischem Gesang. Meditative Momente treffen dabei auf stampfende Rhythmen, Poesie auf Improvisation. Der gemeinsame Gesang Deckelbaums und Lahouds erzeugt Gänsehautstimmung. Ihre Sprachen seien verwandt und doch könnten sie die Sprache des Anderen nicht verstehen, erläutern beide im Gespräch nach dem Konzert, aber in der Musik würden sie fühlen, was der jeweils andere ausdrücke.

Eindrucksvoller kann Völkerverständigung nicht gelebt werden. Das Publikum bedankte sich mit langanhaltendem, stehendem Applaus. Ein durch und durch gelungenes Festival in passender Umgebung.

Idee und ehrenamtliches Engagement

Geschichte: Vor eineinhalb Jahren inspirierte ein Auftritt der Stillen Hunde im großen Saal des Schlosses in Rittmarshausen Matthias Heintz zu der Idee, auf dem Gelände ein Jazzfestival zu veranstalten. Gemeinsam mit Jörg Bachmann von „Kultur im Esel“ machte er sich an die Planung mit dem Ziel, Jazz aufs Land in schöner Umgebung zu holen, um den Menschen ein Gefühl für den Jazz und eine Begegnung mit ihm zu ermöglichen. Ziemlich schnell stand fest, dass auch Workshops mit unterschiedlichen Musikern und Instrumenten stattfinden sollten. Als Kooperationspartner konnten der „Kulturverein Rittmarshausen“, die Initiative „Kultur unterm Kirchturm“ aus Sattenhausen, der Verein „Hurkut Gleichen e.V.“ als Veranstalter, die „Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen e.G.“ (BIGS) speziell für das Konzert von Masaa und nicht zuletzt der jazzbegeisterte Gutsherr Henrik von Görtz gewonnen werden. Letztendlich hätten dann viele Menschen ehrenamtlich aus diesen Einrichtungen, aber auch Familienangehörige, sowie Menschen aus dem Ort geholfen, so Heintz. Das Ganze wurde dann unter dem Dach von „Kultur im Kreis“ realisiert.lin

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