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Quartett Plus 1 nähert sich dem Ende

Tanz ums Grab im DT Quartett Plus 1 nähert sich dem Ende

Das Motto heißt Abschied nehmen, zunächst einmal von Jacken, Taschen und Schuhen. Das irritiert schon so manchen Gast der „Besten Beerdigung der Welt“  im Deutschen Theater, wo die Komposition der Formation Quartett Plus 1 am Dienstag  Uraufführung hatte.

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Quartett Plus 1: Kristina van de Sand, Lisa, Stepf, Katharina Pfändner und Katharina Hülsmann (v.l.n.r.).

Quelle: Kimmel

Göttingen. Die vier jungen, barfüßigen Musikerinnen fordern dazu auf, auf kleine Papierkarten den Namen von etwas zu schreiben, von dem man Abschied feiern möchte und dies nah am Körper zu tragen. Im Bühnenraum sieht es ein bisschen nach Weihnachten aus mit all den in Cellophanpapier eingewickelten Päckchen, die dann vom Publikum auch nach und nach ausgepackt werden.  Ein Kuchenteig wird gerührt, und in der Mitte wird das Grab mit getrockneten Blumen, Grabschleife und Kuchendekoration geschmückt.

Das Konzept von „Die beste Beerdigung der Welt“ wurde im November 2014 mit dem Junge-Ohren-Preis ausgezeichnet.  Im Superlativ von einer Veranstaltung zu sprechen, die es in unserem Kulturkreis doch eher ernst, kontemplativ und gramerfüllt zu absolvieren gilt, ist an sich schon eine Provokation. Und zu was Kathrina Hülsmann (Viola), Katharina Pfändner (Violine), Lisa Stepf (Violoncello) und Kristina van de Sand (Violine) da einladen, ist gewagt, weil ihre Beerdigung zwar andächtig, aber doch ein freudvolles Fest ist, das an unserem andächtigen Beerdigungsethos rüttelt.

Die experimentelle Komposition von Verena Ries lässt viel Raum, die Grenzen zwischen den Akteuren und Zuschauern lösen sich teilweise auf. Man tanzt gemeinsam im Kreis und gibt sich einem redundanten Rhythmus hin, dessen Höhepunkt das Zerreißen des zu Beginn beschrieben Kärtchens ist.

Die Instrumente werden leider rar eingesetzt und einer allgemeinen Klangsuche à la „Wie klingt der Tod?“ untergeordnet. Nach einem satten Crescendo macht es Pling aus dem Miniofen, und der Kuchen ist auf den letzten Ton fertig. Ein faszinierender Versuch sich mit dem Ende zu beschäftigen, das seinen Beginn bereits an unserem Geburtstag hat.

Weitere Vorstellungen: 10.12. um 10 und 20 Uhr, 11.12. um 20 Uhr und am 13.12. um 18 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

 

Von Marie Varela

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