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Quirliger Imitator und die „Achsen des Bösen“

Kabarettistischer Jahresrückblick Quirliger Imitator und die „Achsen des Bösen“

Die Haare stehen ihm zu Berge, das Weizenbier neben ihm auf dem Tisch und sein grellbuntes Hemd leuchtet bis in die letzte Reihe der ausverkauften Göttinger Stadthalle. Kabarettist Urban Priol verarbeitet in seinem Jahresrückblick „Tilt“ innerhalb von gut drei Stunden mit viel Häme und Wortwitz das Jahr 2009. Dabei springt er wie ein Derwisch über die Bühne und redet ohne Punkt und Komma.

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Zum Haare raufen: Priol regt sich über Politiker und Gesellschaft auf.

Quelle: Theodoro da Silva

2009 war ein ertragreiches Jahr für Kabarettisten: Krise allerorten, daneben Schweinegrippe, Superwahljahr und Abwrackprämie. Priol kann also aus den Vollen schöpfen – und tut es auch. Seine Opfer sind das „Who is who“ der deutschen Politikerszene. Wen er nicht erwähnt, der war im vergangenen Jahr einfach zu unbedeutend.

Beliebtestes Ziel seines Spotts ist Angela Merkel, wahlweise das „Pastorentöchterchen“ oder die „Mutti der Regierung“, die am „Ypsilanti-Syndrom“ leide und sich fragt: „Was wird aus mir, wenn ich nicht mehr bin?“ Aber auch phlegmatische Bürger, „die verarscht werden wollen“, regen ihn auf.

Priols Stärke sind Wortspielereien und Imitationen von Politikern. Da wird aus Heiligendamm mal eben „Scheinheiligendamm“ und die Defekte bei der Berliner S-Bahn („Was die rote Armee 1945 nicht schaffte, haben die Manager geschafft“) auf die „Achsen des Bösen“ zurückgeführt.

Guido Westerwelle, „der Hansel“, bekommt ebenfalls nur Spott ab. Großartig Priols Imitation des Außenministers, bei der er langsam und laut spricht und wie ein Schülerlotse das Publikum dirigiert: Schließt man die Augen, sieht man den FDP-Politiker vor sich. Öffnet man sie, ist der quirlige Imitator schon beim nächsten Thema.

Diese Sprünge gehen so schnell, wie der Kabarettist redet, so dass einige Zuschauer erst murmelnd das Gehörte wiederholen müssen, ehe sie zu lachen anfangen. Am Ende gibt es für Priol Beifall im Stehen – und er den Zuschauer den Rat: „Wenn sie euch ärgern, dann ärgert zurück!“

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Von Corinna Berghahn

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