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Raritäten der Kammermusik

Rathausserenade des Göttinger Symphonie-Orchesters Raritäten der Kammermusik

„Streichquartette der Romantik“ war die Rathausserenade des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) am Montag im Alten Rathaus betitelt. Fast zu bescheiden – „Romantische Raritäten“ wäre für diesen spannenden Abend eine noch treffendere Bezeichnung gewesen.

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Spielfreude und Temperament: Bartosz Zachłod, Anna Kaczmarek-Kalandarishvili, Igor Tulchynsky und Johann-Sebastian Sommer (von links).

Quelle: Wenzel

Drei Musiker des GSO – die zweite Konzertmeisterin Anna Kaczmarek-Kalandarishvili, der stellvertretende Solo-Bratscher Igor Tulchynsky und Cellist Johann-Sebastian Sommer – hatten ihren Kollegen Bartosz Zachłod als Primarius engagiert. Zachłod, Ehemann der GSO-Cellistin Joana Kielar-Zachłod, gehört dem renommierten polnischen Apollon Musagète Quartett an, das beim ARD-Wettbewerb 2008 in München mit einem ersten Preis und drei Sonderpreisen ausgezeichnet wurde.

Derartige kammermusikalische Qualitäten bewies er in der Rathausserenade aufs Schönste. Aber nicht er allein: Das Zusammenspiel im Quartett funktionierte ausgesprochen harmonisch, und so ließ das Ensemble mit seiner Spielfreude und seinem Temperament das Ensemble auch in musikalisch nicht ganz so schwergewichtigen Kompositionen nirgends Langeweile aufkommen. Einzig im Cellopart hätte man sich manchmal etwas mehr musikalisches Selbstbewusstsein und größeren Klang wünschen können.

Mit einem zweisätzigen Quartett des französischen Komponisten François-Joseph Gossec (1734-1829), der vor allem mit Musikwerken in der französischen Revolutionszeit bekannt geworden ist, wurde der Abend unterhaltsam eröffnet. In diesem munteren Werk dominiert die erste Violine auf weite Strecken, die übrigen drei Instrumente rollen gleichsam den Teppich aus, über den der Primarius schreiten darf.

Gut 100 Jahre jünger ist das Streichquartett c-Moll des Litauers Mikalojus Konstantinas Čiurlonis (1875-1911), der in seiner Heimat als Nationalheld verehrt wird und nicht nur als Komponist, sondern auch als Maler hervorgetreten ist. Mit ihrem engagierten, ausdrucksstarken Spiel machten die vier Musiker neugierig auf das weitere Schaffen des Komponisten, der in diesem gediegen gearbeiteten, vor allem im ersten und zweiten Satz sehr inspirierten Werk noch deutlich der mittleren deutschen Romantik verpflichtet ist.

Den Schluss bildeten ein Rondo und ein Quartett von Anton Bruckner in c-Moll. Das allerdings sind eher Studienarbeiten: Bruckner schrieb sie 1862, als er in Linz Kompositionsunterricht bei Otto Kitzler erhielt. Doch wenn diese Musik so frisch und lebhaft vorgetragen wird, kann sie dennoch beachtliche Reize entfalten.

Dementsprechend ausdauernd klatschten die Zuhörer. Belohnt wurden sie mit den äußerst delikat und angemessen sentimental dargebotenen „Südamerikanischen Saitensprüngen“ von Werner Thomas-Mifune.
Das ursprünglich für diesen Abend vorgesehene Programm „Ukrainische Impressionen“ soll in der kommenden Saison, voraussichtlich im November, nachgeholt werden.

Von Michael Schäfer

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